„Arbeitet deine Frau?“ – „Natürlich.“

Ein Thema, das immer wieder gefragt wird – wie viel arbeitet Deine Frau?

Dass ich 100% arbeite – offenbar völlig normal und geschenkt. Dass meine Frau arbeitet – „Wirklich? Schon?“ Dass meine Frau auch 100% arbeitet – „WTF!“

Ich verstehe, wenn jemand daran interessiert ist, wie wir das ganze Thema Arbeit und Kind regeln. Mich interessiert es auch immer, wie andere das machen und schaffen.

Ich verstehe nicht, warum jeder voraussetzt, dass ich arbeite und meine Frau (vielleicht) nicht. Sie ist viel zu gut, in dem was Sie tut, um zuhause zu sitzen und nur Windeln zu wechseln.

Die Statistik

10% der Mütter von Kindern bis 3 Jahre arbeiten Vollzeit (West 8%, Ost 21%). Das spannende daran: vor zehn Jahren war es ganz ähnlich. Das überrascht mich, ich dachte, dass es zumindest über den Zeitverlauf einen Wandel gäbe.

Betrachtet man Paarkonstellationen, ist es noch etwas eklatanter. Männer arbeiten in 83% der Fälle Vollzeit, Frauen in 8%. Ich lass das mal so stehen.

Das Modell

Wir arbeiten voll. Beide. Immer. Schon die ganze Zeit (nach der Elternzeit). Zweimal in der Woche wird Bubu von unserer Babysitterin aus der Kita abgeholt. Wenn einer von uns beiden reist, können es auch drei mal werden. Die offenen Nachmittage teilen wir uns.

Wir bringen Ihn jeden Tag selbst in die Kita, wir bringen Ihn jeden Tag ins Bett. Danach arbeiten wir oft nochmal. Dienstreisen und Abendtermine versuchen wir so lange wie möglich vorab zu planen. Solche Termine werden erst zugesagt, wenn der jeweils andere zusagt.

Das Modell ist ganz sicher nicht für jeden Haushalt und mit jedem Job gangbar. Aber alle, die es versuchen wollen, kann ich nur ermutigen.

Die Vorteile

Daraus ergeben sich aus meiner Sicht viele Vorteile:

Wir sind gleichberechtigt, was die Zeit angeht, die wir mit Bubu verbringen. Wir können über nun langsam aufkommende Erziehungsthemen auf der gleichen Ebene streiten sprechen, weil wir sie beide erleben. Auch was die berufliche Erfüllung angeht, sind wir auf Augenhöhe.

Die Rahmenbedingungen

Natürlich geht das nicht mit jedem Job. Wenn man keine flexiblen Arbeitszeiten hat oder die Arbeitsmittel nicht mit nach Hause nehmen kann, fällt das Kartenhaus schnell in sich zusammen.

Ich bin genau wie meine Frau relativ frei in der Ausgestaltung meiner Arbeit, sowohl zeitlich als auch örtlich. Es sind die Ergebnisse, die am Ende der Woche/des Monats/des Jahres zählen.

Das Kind sollte idealerweise damit zufrieden sein, mal von Papa, mal von Mama ins Bett gebracht zu werden und es verkraften, wenn einer von beiden nicht da ist. Bis jetzt klappt das gut, da die Situation schon immer so war, denke (und hoffe) ich, dass es auch so bleibt.

Und bei Euch?

Ob das auch mit zwei Kindern klappen könnte – ich habe keine Ahnung. Falls es mal soweit ist, werdet ihr es erfahren.

Wie funktioniert die Balance zwischen Arbeiten und ums Kind kümmern bei Euch? Welches Modell fahrt ihr? Findet ihr das besser und warum? Lasst uns diskutieren!

45 thoughts on “„Arbeitet deine Frau?“ – „Natürlich.“

  1. Läuft bei uns genau so! Aber mit zwei Kindern. Teilzeit habe ich zwei Monate probiert. Das ist nichts für uns.
    Ich finde, jede Familie muss das Modell finden, das für sie passt.
    Aber dass von vielen – meist übrigens Frauen- völlig ausgeschlossen wird, Vollzeit zu arbeiten, finde ich komisch. Daher freue ich mich über Blogs, die dokumentieren, es kann klappen.

  2. Unsere Situation sieht folgendermaßen aus: Er arbeitet 100%+ mit vielen Reisen. Ich war bisher in Elternzeit (Kind ist 12 Mon.) und möchte mit 50% wieder einsteigen. Wir sind beide studiert und haben bis ich in den Mutterschutz gegangen bin, dieselbe Voraussetzungen gehabt, um Karriere machen zu können. Dann kam unser kleiner Sonnenschein und hat auch damit unsere gleichberechtigte Situation mächtig durcheinander gebracht.
    Ich bin da ganz bei Dir, was die Vorteile angeht. Momentan fühle ich mich auf Haushalt & „Bespaßen“ reduziert… und ja, das empfinde ich manchmal als deprimierend und einengend. Es fehlt die persönliche Wertschätzung, es fehlt die finanzielle Wertschätzung und es fehlt der Austausch unter Erwachsene, vor allem die Themen, die nicht Kindlastig sind.
    ABER.. und jetzt das große ABER, warum ich es mir trotzdem nicht vorstellen könnte, wieder voll zu arbeiten:
    Ich persönlich könnte es auch nicht habe, wenn mein Sohn die vielen erste Male ohne mich erleben würde. Wenn wir beide 100%+ arbeiten würden, würde das wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass ich effektiv drei Stunden am Tag mit meinem Kind verbringen könnte. Und dabei müsste ich noch die ganzen haushaltlichen wie sonstigen Pflichten erledigen.
    Hinzu kommen die wunderbaren Themen wie kitafrei & krank, die sich schwer vereinbaren lassen mit den Pflichten eines Arbeitnehmers. Sind also keine Großeltern oder ähnliches in greifbarer Nähe, kommt man auch hier sehr schnell an seine Grenzen.

    1. Liebe Susanne, danke für deinen Kommentar.
      An den Tagen, an denen ich mich um unseren Sohn kümmere, habe ich trotz Vollzeitarbeit etwa 5h mit ihm. 1-1,5h am Morgen, 4h am Nachmittag. Haushaltliche Pflichten gibt es natürlich immer, in Berlin kann man sich aber z.B. alle Einkäufe bringen lassen und so viel Zeit einsparen bzw. sich Lebensqualität erkaufen.

      Kitafrei gibt es in unserer Kita zum Glück nur an Brückentagen und zu Weihnachten, von Krankheiten wurden wir bisher gut verschont. Aber klar, das kann sich alles schnell ändern und unser Modell über den Haufen werden.

      Jeder muss das richtige Modell für sich selbst finden. Ich denke selbst darüber nach, die Arbeitszeit zu reduzieren. Mein Punkt war auch gar nicht, jemanden zu kritisieren, der weniger als 100% arbeitet. Ich möchte, dass man es jedem Geschlecht zugesteht. Das kann so schwer nicht sein.

      1. Es ist ja auch absolut richtig, dass darüber in unserer Gesellschaft diskutiert wird. Aber wenn ich ehrlich sein darf: Ich frage mich, wo die Erziehung da bleibt, wenn beide so viel arbeiten. Wo bleibt die Wertevermittlung, wenn das Kind so viel „fremdbetreut“ wird? Wo bleibt die Zeit, die ich meinem Sohn geben kann, Dinge selber zu entdecken…in seinem Tempo…. Und wenn wir das Thema weiterdenken, frage ich mich, was das mit unserer Gesellschaft macht.

      2. Ich glaube, dass es in Ost/West immer noch riesige Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, wie gut/schlecht „Fremdbetreuung“ (ein schreckliches Wort) für ein Kind denn ist. Ich glaube, dass die Vielfalt an Werten und der Reichtum an sozialen Erfahrungen, die unser Kind bekommt, es bereichern. Ich hoffe, das ist kein Wunschdenken.

  3. Aussagen wie „Sie ist viel zu gut, in dem was Sie tut, um zuhause zu sitzen und nur Windeln zu wechseln.“ implizieren eine Geringschätzung der Tätigkeit als zuhause bleibende Mutter, die ich als absolut überheblich empfinde. Eine Reduktion der vielfältigen Mutterschaftstätigkeiten auf „nur Windeln wechseln“ ist darüber hinaus hanebüchen.

    Für mich bleibt nach dem Lesen des Artikels eine latente Abwertung gegenüber nicht Vollzeit arbeitenden Eltern, ausgehend einer Argumentation, die ausschließlich aus Sicht der Vorteile für die Eltern basiert.
    Die durch das gewählte Konzept resultierenden Folgen für das Kind werden, zumindest in dem Beitrag, nicht in den Blick genommen.

    1. Johannes, danke für Deinen Kommentar. Meine Aussage bzgl. des „Windeln wechselns“ kann man missverstehen. Ich war selbst ein paar Monate alleine zuhause in Elternzeit und weiß genau wie du, dass die Elternschaftstätigkeiten vielfältiger sind.

      Eine Abwertung gegenüber nicht Vollzeit arbeitenden Eltern sehe ich an keiner Stelle. Es ging mir einzig und allein darum, mein Unverständnis darzustellen, dass es immer die Frau sein soll, die nicht/weniger arbeitet.

      Welche Folgen für das Kind stellst du dir aus dem gewählten Konzept vor?

  4. Wir arbeiten beide 75%, das empfinden wir als fast ideal. Wir haben unsere 2 Kinder allerdings beide im Studium bekommen und waren am Ende in der Situation, dass einer anfängt zu arbeiten und einer zu Hause bleibt erst einmal, da unser Sohn da gerade geboren wurde. Ganz praktisch gedacht ist meine Frau dann zu Hause geblieben, um ihn einfach entspannt abstillen zu können.
    Wir hätten beide die Möglichkeit auf 100% zu gehen, aber neben den Kindern und dem Haushalt und und und bleiben bei 75% doch noch andere Möglichkeiten für sich und die ganze Familie, was der Mehrverdienst nicht aufwiegt, da bei höherer Arbeitszeit und Abwesenheit auch höhere Kinderbetreuungskosten einberechnet werden müssen.

    1. Wunderbar. Das finde ich toll. Ich denke selbst darüber nach zu reduzieren. Mein Punkt war nicht, jemanden zu kritisieren, der weniger als 100% arbeitet. Ich möchte, dass man es jedem Geschlecht zugesteht.

  5. Bei uns war eher das Problem, keine von uns wollte 100% arbeiten!!! Das Leben ist zu schön und zu kurz um nur zur Arbeiten!! 😉 (und wir arbeiten auch gerne, haben beide tolles Job und sind beide auch gut in dem was wir machen ;))) und zum Glück, können wir es uns leisten, nicht 100% zu arbeiten.

    1. Ihr seid eh unser Vorbild. Ich denke selbst darüber nach zu reduzieren. Mein Punkt war nicht, jemanden zu kritisieren, der weniger als 100% arbeitet. Ich möchte, dass man es jedem Geschlecht zugesteht.

      1. Ich glaube, genau so wie Du, dass es beiden Elternteile betrifft, was zu Hause und mit den Kinder los geht. Und besonders das beide Teile gleichberechtigt sind es zu genießen. Es geht hier nicht nur um Pflichten, sondern zum Glück auch um Spaß.
        Man muss wirklich nicht vergessen, dass diese Jahre schnell wieder vorbei sind. Ich sehe es so eher als ein Glück, teilzeit arbeiten zu können und besonders dass wir beide es machen können. Anders könnte ich mich es momentan nicht vorstellen. Ich finde es auch toll, dass julio Zeit mit den Kindern verbringt, dass unsere Kinder 2 richtige Ansprechpartnern haben. Trotzdem ist es so, dass ich meistens flexibler bin, und dadurch auch mehr für den Alltag Anwesen bin. 50/50 haben wir es noch nicht geschafft…
        Und wir haben auch extrahilfe ab und zu… Ohne würde es wahrscheinlich auch nicht möglich sein,dass wir mit drei Kindern beide berufstätig sind.
        Dazu, hat man auch viel mehr Zeit für sich selbst… Da wir immer wieder freie Woche haben, während die Kinder trotzdem in der kita sind, können wir wirklich Zeit für uns haben,und das ist wirklich Lebensqualität…

  6. Wir würden es einem Kind nicht antun wollen, so schnell wie möglich in Fremdbetreuung abgegeben zu werden. Staat und Gesellschaft machen Druck, indem wie hier die Elterntätigkeit auf das Windelnwechseln reduziert wird. Bei uns: 1 Jahr Elternzeit der Mutter und 2 Monate der Vater. 2. Jahr: Beide Eltern Teilzeit 3 Tage / 2 Tage. 3. Jahr: Beide Eltern Teilzeit 4 / 3 Tage mit Tagesmutter. Rückblickend: Modell vom 2. Jahr war besser. 4. Jahr: 4/3 Tage und Kindergarten. Wir müssen jetzt arbeiten, damit mit Beginn der Grundschule einer zuhause bleiben kann oder so reduziert, dass ab 12 Uhr jemand da ist, um dem Kind die unsägliche OGS zu ersparen.

    1. Ich habe das Gefühl, das wir eine sehr gute „Fremdbetreuung“ gefunden haben. Allerdings kann ich den Punkt durch aus verstehen. Ich denke selbst darüber nach, zu reduzieren. Mein Punkt war nicht, jemanden zu kritisieren, der weniger als 100% arbeitet. Ich möchte, dass man es jedem Geschlecht zugesteht. Und so steht es auch im Artikel.

      1. Aus meiner Sicht – eine West-Sicht! – ist es keine Frage des Zugestehens, 100 % arbeiten zu können, sondern eine Frage des Müssens. Es gibt Konstellationen, wo beide Eltern 100 % arbeiten müssen; es gibt immer mehr Familien, in denen sich die Mütter offensichtlich durch gesellschaftliche Zwänge genötigt sehen, mit hoher Stundenzahl arbeiten zu gehen, obwohl sie es nicht müssten.
        Ich erlebe kein Erstaunen darüber, wenn eine Frau 100 % arbeitet. Ich erlebe umgekehrt eine Mischung aus Stirnrunzeln und Verwunderung, wenn man sagt, dass man das Kind NICHT mit einem Jahr in die Kita gibt und dafür die Arbeit reduziert. „Wie, habt Ihr keinen Kitaplatz gekriegt?“ „Äh – wir wollen das so?!“ „Wieso arbeitest Du so wenig – Dein Kind ist doch schon 2!“ Da wundere ich mich schon, was manche KOlleginnen ihren ein- und zweijährigen Kindern zumuten
        Das Arbeiten in Teilzeit war ganz gut – rückblickend wäre es besser gewesen, dass einer alle drei Jahre zuhause bleibt. Wenn wir das Glück hätten, nochmal zu entscheiden, wir die Frage nciht sein, wer zuhause bleiben MUSS, sondern wer das DARF.

      2. Es ist in der Tat interessant zu sehen, dass dass einer der Punkte ist, an denen Ost/West noch so auseinanderdriften. Ein Grund mehr darüber zu sprechen und gegenseitiges Verständnis einzuwerben.

  7. Unser Modell unterscheidet sich ein wenig von dem, was die Gesellschaft zur Zeit so hervorbringt.

    Beim 1. Kind sah es ungefähr so aus:

    Mama nimmt 1 Jahr Elternzeit. Danach bleibt der Papa 2 Jahre zu Hause. Bis das Kind in den Kindergarten geht. Leider haben wir die Kleine schon in dir Krippe gegeben. Ich empfand das als zu früh.

    Die 2 Jahre Job off konnte ich mir damals gönnen, da ein Arbeitsplatzwechsel anstand. Nachteil hier: Die 2 Jahre steht man den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und rutscht so automatisch auf Hartz IV. Da Geld nicht alles ist. War es für uns kein Problem. Die Zeit mit dem Kind kann mir keiner mehr nehmen. Und den Knick im Lebenslauf nimmt einem keiner krumm.
    Meine Lebensgefährtin ist damals mit 100% in den Job zurück gekehrt und hat es bereut.

    Beim 2. Kind war man dann schon anders aufgestellt. Ich hatte in der Zwischenzeit eine berufliche Neuorientierung gewagt und musste leider feststellen, dass die Jobwahl nicht lange bestand hatte (Leitung Flüchtlingsheime) und ich wieder die Chance auf ein Job off hatte. Also gesagt getan. Bis zur Kita wieder die Zeit mit dem 2. Kind genießen. Sie arbeitet aber nur 25 Std bzw. 30 Std.

    Dieses Modell ist natürlich nichts für jeden. Gerade wenn große Verbindlichkeiten existieren. Wir haben keine Kredite, die wir bedienen müssen.

    Auch muss man den Gürtel enger schnallen… Aber der Kühlschrank ist nicht so leer wie Studium. 😉

    Außerdem ist es für viele am Anfang befremdlich, dass ein Mann unter den vielen Frauen die Eingewöhnung etc. macht. Da muss man halt durch.

    Das Wichtigste ist halt die tolle Bindung, die ich zu beiden Kindern habe. Und dieses Band zwischen uns kann uns keiner mehr nehmen. Gemeinsame Zeit ist kostbar! Kostbarer als jeder Euro.

  8. Ich arbeite 3 Tage/Woche, meine Frau voll. Wir haben 2 Kids. Dazu helfen an 2-3 Tagen die Großeltern bei der Abholung, Besuch von Sportkursen und mit der Wäsche. An 2 weiteren Tagen kann flexibel ein Kindermädchen einspringen. Es ist aber echt stressig, da meine Frau und ich oft Überstd machen (müssen) und home office nicht drin ist. Die Kinder kennen es aber nicht anders….

  9. Hallo und danke für diesen echt gelungenen Beitrag. Zuerst muss man feststellen das die Frauen im Osten schon immer mehr gearbeitet haben ohne damit jemandem zu nahe treten zu wollen.
    Unser kleiner Sohn ist jetzt 12 Wochen alt und meine Frau geht seit dem Ende der Mutterschutzzeit wieder 25 Stunden arbeiten.
    Was auch nötig ist denn mit nur Elterngeld wurden wir nach spätestens 2 Monaten am Hungertuch nagen.
    Somit gehen beide Kinder (der große ist 4) an den Tagen wo meine Frau arbeiten geht in die Kita. Werden dann beide vom Papa hin gebracht und von der Oma abgeholt. An den Tagen wo meine Frau frei hat) in der Regel mehr als 20 Tage im Monat) betreut sie die Kinder zuhause.

    1. Hallo Thomas, danke für dein Lob. Alle Modelle sind aus meiner Sicht interessant. Jeder muss da für sich das richtige finden. Aufgabe der Gesellschaft muss es sein, jedes Modell zu akzeptieren und negative Wertungen nicht zuzulassen. Aufgabe des Staates wäre es, Eltern dabei zu unterstützen, das gewünschte Modell umzusetzen, ohne am Hungertuch zu nagen – sei es bei der kostenfreien Betreuung von Kindern oder steuerlichen Vorteilen für Lebensgemeinschaften, die Kinder groß ziehen.

  10. Hallo Thomas, danke für dein Lob. Alle Modelle sind aus meiner Sicht interessant. Jeder muss da für sich das richtige finden. Aufgabe der Gesellschaft muss es sein, jedes Modell zu akzeptieren und negative Wertungen nicht zuzulassen. Aufgabe des Staates wäre es, Eltern dabei zu unterstützen, das gewünschte Modell umzusetzen, ohne am Hungertuch zu nagen – sei es bei der kostenfreien Betreuung von Kindern oder steuerlichen Vorteilen für Lebensgemeinschaften, die Kinder gross ziehen.

  11. Funktioniert mit 1,5h Pendelweg mit zwei Kleinkindern nur Dank Großeltern und Flexibilität der Arbeitgeber. Krankes Kind ist immer eine Herausforderung. Aber man wird sehr organisiert und die Frage nach irgendwelchen Rollenmodellen stellt sich erst gar nicht. Wer nicht ins Bett bringt putzt/räumt auf.

    Aber wer einen Arschlocharbeitgeber hat, hat keine Chance, das Modell zu realisieren.

    Dazu muss man auch erstmal eine Kita mit der nötigen Zeit (7-17 Uhr) finden.

  12. Nachtrag: finanziell halt völliger Schwachsinn, man drückt Ordentlich für Betreuung ab (private Kita: für beide 1.800€!, Öffentliche immer noch 900€ zzgl Essen), dafür arbeiten gehen zu dürfen. Dazu kommt noch die maximale Abgabenlast.

    1. Hi Andreas, das ist in der Tat eine wilde Gemengelage. In Berlin haben wir seit August 2017 das Glück, dass die KiTa-Plätze kostenfrei sind. Wie schon weiter oben kommentiert: Aufgabe der Gesellschaft muss es sein, jedes Modell zu akzeptieren und negative Wertungen nicht zuzulassen. Aufgabe des Staates wäre es, Eltern dabei zu unterstützen, das gewünschte Modell umzusetzen, ohne am Hungertuch zu nagen – sei es bei der kostenfreien Betreuung von Kindern oder steuerlichen Vorteilen für Lebensgemeinschaften, die Kinder groß ziehen.

  13. Hallo,
    ich arbeite auch Vollzeit und habe nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Ich finde man nutzt dann die Zeit mit dem Kind intensiver. Was mich aber auch nervt ist die verwunderte Frage Sie arbeiten 100%? Ja warum denn nicht? Es ist ja auch eine Frage des Geldes und ich möchte auch nicht von meinem Mann abhängig sein und für die Rente vorsorgen.Jeder spricht immer von Emanzipation aber bei dem Thema werden dann alte Rollenbilder hervorgezerrt. Klar ist es anstrengend Vollzeit zu arbeiten aber man wächst daran auch und lernt den Alltag perfekt zu strukturieren. Aber es kann ja jeder machen wie er mag. Ich finde es aber erschreckend dass nur 8% Vollzeit arbeiten. Dann wundert es mich nicht dass so viele erstaunt sind.

  14. Ich bin durchaus erstaunt, dass dies überhaupt noch so ein Thema ist. Ich kannte es selbst als Kind nicht anders, als dass beide Elternteile voll berufstätig waren. Heute habe ich 3 Kinder, wir Eltern arbeiten beide voll – und eine solche Form ist „hier“ die Regel, nicht die Ausnahme. Natürlich erfordert das gute Organisation, um die Kinder zuverlässig in die KiTas bzw später Schulen zu bringen und pünktlich abzuholen. Die Zeit, die wir mit ihnen haben, nutzen wir aber umso intensiver. Fakt ist jedoch: die Kinder sind offen und aufgeschlossen, gut in der Schule, lebenslustig, glücklich. Sie genießen eine gute Betreuung in den Kindertagesstätten, lernen so soziale Kompetenz, bekommen humanistische Werte wie selbstverständlich vermittelt und spielen mit Gleichaltrigen. Sie haben viele Freunde, die zT auch am Wochenende mal zum Spielen kommen. Das Argument, dass bei ‚Fremdbetreuung‘ keine Werte vermittelt würden, ist ebenso falsch wie längst widerlegt. Einziger Nachteil: es bleibt eben ein fertiger Wäschekorb auch mal paar Tage liegen, weil man es erst am WE schafft, ihn einzuräumen. Was solls. Die Zeit daheim mit den Kindern zu nutzen, ist dann natürlich wichtiger.

  15. Das Argument, dass bei Fremdbetreuung keine Werte vermittelt würden, habe ich auch noch nicht gehört. Wohl aber weiß man, dass bei Kindern unter 3 Jahren, insbesondere bei Kindern unter 2 Jahren zum Beispiel der Spiegel der Stresshormone massiv in die Höhe schießt, sobald sie in Fremdbetreuung sind. Dabei ist es völlig egal, wie gut und liebevoll die Fremdbetreuungsperson ist.Allein die Tatsache, von den Eltern getrennt zu sein, bedeutet für Kinder, je jünger, desto mehr, erheblichen Stress – erst recht für Babys von ein paar Monaten. Insofern hat das nichts mit alten Rollenbildern zu tun oder einer wünschenswerten (?!) Angleichung des Westens an den Osten, sondern ist schlicht eine Frage, was gut ist für die Kinder und die Familie. Wenn ich an Beispiele aus dem Umfeld denke, wo ein Elternteil eine sehr gute Stellung in der Wirtschaft hat mit einem 120%-Arbeitszeit-Job, wundere ich mich dann schon, dass der andere Elternteil dann ruckizucki auch 100 % arbeiten geht (ohne dass es finanziell nötig wäre), um dann zu klagen, wie schwierig das alles zu organisieren ist etc. Da sag ich mir: Man könnte es sich und dem Kind ja auch leichter machen.

      1. Ja, natürlich. Eine Zusammenfassung hier: http://www.fuerkinder.org/kinder-brauchen-bindung/experten-meinen/404-fruehkindlicher-stress-in-der-fremdbetreuung-und-seine-langfristigen-folgen
        Dort unter Berufung auf diverse Studien:
        „Aber je mehr nichtverwandtschaftliche Betreuung an wöchentlichen Stunden und Monaten/Jahren Kinder bis 4 ½ Jahre erlebt hatten, desto mehr traten externe Verhaltensprobleme auf […] Je mehr gruppenbezogene externe Kindertagesstätten-Betreuung Kinder zwischen 0 und 7 Jahren erlebt hatten, desto stärker zeigte sich der Anstieg von Problemen in folgenden Bereiche […] In einer Langzeitstudie wurden 92 Kinder untersucht (Lubi et al 2012). Nachdem im vorschulischen Alter die Unterstützung der Kinder durch ihre Mütter erforscht worden war, maß man im Alter zwischen 7 und 13 Jahren das Volumen ihres Hippocampus – der Hirnregion, die Erfahrung und Erinnern steuert, für Lernprozesse von Bedeutung ist und dämpfend auf Stress wirken kann – mit Hilfe von bildgebenden Verfahren. Es zeigte sich eine Verbindung zwischen früher mütterlicher Unterstützung und einem größeren Volumen des Hippocampus. Das Ergebnis war hoch signifikant.“

    1. Im ersten Jahr kann ich mir das in der Tat gut vorstellen, hier ist die Bindung zu den Eltern natürlich noch extrem. Allerdings sehe ich, wie begeistert meine Kinder in die Kinderkrippe ( mit etwa 1,5-2 Jahren ) gingen, nur ganz selten mit Problemen beim Abschied morgens ( das ist natürlich aber auch typenabhängig ) – und ganze Generationen durchliefen hier diese Institutionen zeitig, ohne verhaltensauffällig oder intellektuell, kognitiv oder gar sozial eingeschränkt zu werden.
      Natürlich aber sei davon unberührt, dass man im Fall der Fälle – wenn es finanziell also machbar ist und man sich selbst sowie der Arbeitgeber damit auch arrangieren kann – lieber länger mit dem Kind daheim bleibt, bzw am Anfang zunächst wieder in Teilzeit arbeitet.
      Generell aber halte ich eine vorschulische „multisoziale“ Betreuung sogar für sehr sinnvoll und prägend.

  16. @Andreas: Stimmt. Die Studie zum Hippocampus etwa ist hier veröffentlicht:
    Joan L. Luby et al.: Maternal support in early childhood predicts larger hippocampal volumes at school age. In: Proceeding of the National Academy of Science of the United States of America, 2012 Feb 21; 109(8): 2854–2859. Das ist eine Studie mit peer review. Da können wir gut davon ausgehen, dass das „willkürlich zusammengestellt bzw interpretiert ist“.
    Und zur Cortisol-Studie: H.J. Vermeer, M.H. van IJzendoorn / Early Childhood Research Quarterly 21 (2006) 390–401. Ich würde sagen, Cortisol gibt es gar nicht. Falls doch, kann man es nicht messen. Und es hat nichts mit Stress zu tun.

  17. Und die Erde ist eine Scheibe. Chemtrails hast noch vergessen.

    Noch mehr Unterstellungen auf Lager?

    Der zuerst gepostete Artikel machte eben auf mich den _Eindruck_ und daher äußerte ich meine _Meinung_.

    Leider ist es mir nicht möglich, binnen weniger Minuten parallel zum Beruf mich _intensiv_ einzulesen.

    Aber schön, dass du eine andere Meinung gleich mal abqualifizierst.

  18. Was will man mehr, als dass ein verlinkter Artikel mindestens ein halbes Dutzend wissenschaftliche Veröffentlichungen als Referenzen anführt?

  19. Hab diesen Artikel gerade erst gefunden und finde ihn und den Blog sehr interessant! Bei uns ist es noch einmal ganz anders, weil wir sehr patchworkig unterwegs sind: Meine Tochter ist 5 und wird seit 4 Jahren zu 50% jeweils von ihrem Vater und von mir betreut, der die Hälfte der Elternzeit genommen hatte. Es ist also seit jeher für mich möglich, an 2-3 Werktagen pro Woche ohne Kinderbetreuungsorga zu arbeiten. Mein Lebensgefährte bringt sich auch sehr ein, so dass ich auch an den Kindertagen ohne große Probleme Überstunden, Abendveranstaltungen, Sport etc absolvieren kann, wenn nötig. Mache ich aber tatsächlich nicht oft, weil ich die Kleene ja eh die Hälfte der Woche nicht sehe.
    Ich und mein Lebensgefährte arbeiten 30-32 Stunden in der Woche mit jeweils einem freien Tag und bei mir die Möglichkeit, Freitags früher zu gehen, wenn ich Stunden übrig habe, das hat sich sehr bewährt. So kann ich oder er meine Tochter schon oft um 15 Uhr aus der Kita abholen, und alles ist ganz entspannt. So würde ich es auch gerne halten, wenn ein Kind dazu kommen sollte – wenn wir dann alle Möglichkeiten für ELterngeld Plus ausgereizt haben, versteht sich. Denn ein Jahr würde ich auch nicht zu Hause bleiben wollen, das ist einfach nicht meins. Ganz davon abgesehen, dass mein Freund mich empört aus dem Haus schubsen würde, sollte ich was von seiner Hälfte abhaben wollen…

    1. Danke! Immer wieder spannend, wie viele verschiedene Modelle es doch gibt. Ich finde es wunderbar, wenn jeder das Modell findet, mit dem es allen gut geht!

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