Novemberblues – oder: Sind Babyjahre eigentlich kürzer?

Kann es sein, dass man schon bei 20 Monate alten Kindern Angst bekommt, dass die Kleinen bald ausziehen?Als hypermoderner Vater (und Homeoffice-Gesegneter) habe ich am Freitag morgen Wäsche gewaschen. Relativ frischen Eltern muss man nicht sagen: Wäsche waschen heißt in 9 von 10 Fällen Kinderkrams zu waschen.

Beim Aufhängen der Klamotten schoss es mir ein: dein Sohn wird echt groß. Nicht nur, dass man es jeden Tag merkt, weil er alles nachquatscht und immer wieder neue Wörter ausspuckt.

Es waren die ganz kleinen Dinge. Da waren keine Strampler in der Wäsche. Stattdessen waren da Jeans. Es gab Pullover, es gab Socken. Keine Spucktücher, keine Dreieckstücher. Ich stand in Jogginghosen am Wäscheständer und hab ernsthaft schlucken müssen. (Bisschen anders, als man sich das in einer Netflix-Serie vorstellen würde.)

In der Küche steht keine Babymilch mehr, keine Gläschen. Bubu isst alles, was wir essen. Er trinkt ganz normale Milch. Geschirr, Besteck, alles wie ein Großer. Der Junge räumt sogar die Spülmaschine mit aus und hilft, die gelieferten Einkäufe auszupacken.

Der Gedanke war keiner, der mal eben so kommt und wieder geht. Das hat mich eine ganze Weile beschäftigt und ich muss sagen, dass ich dem Gedanken immer noch hinter her hänge. So schön die größere Selbständigkeit ist, es macht mich auch wehmütig, ja fast melancholisch. Die Zeit, in der Deine Kinder ganz allein auf dich angewiesen sind, geht so so schnell vorbei.

Du fragst dich ganz unweigerlich, ob du alles dafür getan hast, so viel wie möglich mitzunehmen, die Zeit zu genießen, alles aufzusaugen. Egal wie du es machst, du wirst immer denken, da wär noch mehr drin gewesen.

Ich bin so froh über meine lange Elternzeit, über die drei Monate die ich allein zu Hause war und über jeden Nachmittag, den ich zu Hause verbringen kann. Ich liebe diesen kleinen Mann wirklich sehr (auch wenn er mittlerweile eher „Neeeeein Papa“ ruft, wenn ich eine Knutschattacke starten will).

Wahrscheinlich ist meine Melancholie dem Novemberblues geschuldet. Ich freue mich riesig über Bubus Fortschritte. Aber die Zeit rennt wahnsinnig. Hast du zwei mal nicht hingeschaut, läuft der Hosenscheißer plötzlich. Und beim dritten Mal ist er nicht mal mehr ein Hosenscheißer.

Geht es Euch auch so? Oder überwiegt immer die Freude über die Selbständigkeit, über die Fortschritte, die Euer Kind oder Eure Kinder machen?

One thought on “Novemberblues – oder: Sind Babyjahre eigentlich kürzer?

  1. Neulich bei uns: wenn das Abendnickerchen beendet wird höflichem Hüsterchen. Nicht wie sonst aus dem Bett, sondern vom direkt hinter einem stehenden Kind. Das nun wohl erstmals gross genug ist, um nach dem Wachwerde allein aufzustehen und vom Elternbett zu klettern und sich auf den Weg in die weite Welt zu machen.#WasserindenAugen

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