Kleiner Mann, große Wirkung

Ein Kind zu bekommen verrückt den Fokus. Die meisten Geschichten darüber erzählen den positiven Teil – wie die Eltern plötzlich entdeckten, was wirklich wichtig ist. Wie die Eltern bemerkten, dass weniger Arbeit und weniger Geld nicht unglücklicher machten. Wie man plötzlich sein soziales Engagement und seine grüne Ader entdeckte.

Und sonst?

Aber es gibt auch einen schwierigeren Aspekt. Ein Kind (oder sogar mehrere) zu bekommen, rückt den Fokus weg vom eigenen Partner. Ich will ungern die Plattitüde wiederholen, dass ein Tag nur 24h hat und die Zeit endlich ist.

Es stimmt leider trotzdem. In der Zeit, die wir als Familie gemeinsam haben, spielt plötzlich ein anderer Mensch die Hauptrolle. Es hat eine Weile gedauert, das zu erkennen. Vor allem das Fehlen meines aktiven Parts, nämlich dass ich für meine Frau einfach viel weniger Zeit habe als früher, habe ich am Anfang gar nicht begriffen.

Wie ich es gemerkt habe? Ganz langsam, zu langsam. Es schleicht sich ein wenig Entfremdung ein, man weiß weniger von den Sorgen und Nöten des Partners. Oft gibt man sich die Klinke in die Hand, schnell wird noch besprochen ob der Zwerg schon gegessen, gekackt, geschlafen hat und was noch so zu tun ist. Und dann ist man wieder auf dem Sprung zum nächsten Tagesordnungspunkt. Wie die eigene Frau sich fühlt, wie ihr Tag war, ob es ihr gut geht? Mist, wieder vergessen, muss ich nachher fragen.

Viel schneller dagegen bemerkt man, dass der Partner „irgendwie anders“ ist. Die Ehefrau interessiert gar nicht, wie es mir geht. Die Ehefrau fragt mich nix mehr.

Sich selbst zu reflektieren und zu bemerken, dass wir beide in exakt der gleichen Situation sind, hat bei mir bisschen länger gedauert. Aber hey, hier stehe ich und hab es begriffen.

Und nun?

Was kann ich dagegen tun? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Ich versuche aktiv den Fokus auch wieder auf meine Frau zu legen, egal ob unser Sohn um uns herum tanzt. Bubu ist natürlich der süßeste kleine Mensch der Welt, aber wisst ihr: meine Frau ist wirklich die schönste und klügste Frau, die ich kenne und es gibt so viele Gründe, sie zu lieben. Sich das jeden Tag zu vergegenwärtigen, ist ein guter Anfang.

Wir müssen es schaffen, Raum für Zweisamkeit zu haben. Die Dreisamkeit und die Zweisamkeit mit Bubu schaffen wir gut, als nächstes sind wir dran.

Wir bekommen das hin – es gibt ja auch keine Alternative. Die Familie funktioniert nur gut, wenn sich alle lieben und sich das oft und gern zeigen. Das kann mal ein Weile zurückstehen, weil so viele andere Dinge sich parallel entwickeln (Bubu springt! Bubu singt!) oder einer aus der Familie allen dermaßen den Schlaf raubt, dass gar keiner im Haushalt mehr klar denken kann.

Aber es sind so wenige Menschen, die aus einem Leben ein Erlebnis machen, dass man sich um diese ganz besonders kümmern muss.

Und selbst?

Habt Ihr diese Erfahrung auch gemacht? Jammer ich hier über ganz normale Themen des Elterndaseins? Akzeptiert ihr diese Veränderung oder was tut Ihr dagegen?

2 thoughts on “Kleiner Mann, große Wirkung

  1. Liebe Papamachtsachen. Sehr schöner Beitrag. Das alles gehört, glaube ich, zu Erwachsen werden. Es mag manchen weh tun. Aber diese Erfahrungen machen den Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Kinder. Diese Verschiebung der Aufmerksamkeit vom „ich“ auf „das Kind“ welche die Biologie für uns so vorbereitet hat, ist eine harte Probe in der Geselschaft des Individuums. Es gibt jetzt was wichtigeres. Viele Ehepaare bestehen diese Prüfung nicht. Viele trennen sich wenn die Kinder etwas grösser sind, wenn die Kleinen nicht mehr abhängig sind. Ob ich (wir) es schaffen erzähle ich dir in zehn Jahren. Das alles erinnert mich an die Rede eines Priesters in Juni 2012, kurz vor der gescheiterten Öffnung von BER. Was ist ein Ehepaar? Liebe, aber auch teilweise ein Vertrag.

    1. Dann warst du wohl auf meiner Hochzeit?! Die Rede von Pfarrer Peitzmann ist etwas, woran ich tatsächlich gedacht habe, beim Schreiben dieses Beitrags.

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