Mobilität mit der Familie

Wir würden gern unser Auto abschaffen. Ich würde gern unser Auto abschaffen. Es steht an 28 von 30 Tagen im Monat einfach nur rum, verbraucht Platz und kostet Geld. Da es ein Firmenwagen ist, kostet es richtig viel Geld. Und macht einem alle anderen Optionen madig.

Die Krux mit Firmenwagen

Beispiel: Wir wollen Freunde im Ruhrpott besuchen. Das Auto ist schon bezahlt, also wäre die Fahrt kostenlos. Die Bahn wäre viel entspannter, aber kostet Geld und das Auto steht wieder nur rum. Also trifft man die Entscheidung, die weniger Spaß macht, aber billiger ist.

Seit die „Ich-schlaf-eh-den-ganzen-Tag“-Phase vorbei ist, steht das Auto nicht mehr hoch im Kurs. Ab einer Stunde, maximal zwei Stunden, hat Bubu keine Lust mehr. Verständlich: Raus schauen kann man nicht richtig. Im Sitz kann man sich nicht bewegen. Papa spielt auch nicht richtig mit Bubu, wenn er die ganze Zeit fährt.

Berlin geht ganz ohne

In Berlin selbst brauchen wir kein Auto. Bubu liebt die U-Bahn, die S-Bahn, den Bus.  Alles was laut ist und groß und gelb, findet er super. Zum Job schaffen wir es beide mit dem Fahrrad, wenn wir nicht verreisen. Dann steht eh ein Taxi morgens vor der Tür. Wenn es doch mal ein Auto sein muss, gibt es so viele verschiedene Car-Sharing-Möglichkeiten, dass einem schwindlig wird. Free-floating, stationsbasiert, gemischte Modelle – Berlin hat sie alle.

Das einzig wirklich komplizierte ist die Sache mit dem Kindersitz. Die Carsharing-Anbieter haben maximal eine Sitzerhöhung, die nützt mit 22 Monaten aber noch nicht so viel. In Berlin müssten wir uns eher ohne Kind mal mit dem Auto bewegen, und auch das nur aus Bequemlichkeit.

Und nun?

Wir werden also die familieninterne Diskussion neu entfachen. Es ist reine Bequemlichkeit, dieses Auto zu haben. Wenn man es nutzen wollte, könnte man es jederzeit tun. Wieviel ist uns die Bequemlichkeit wert? Macht es Sinn, ein Auto zu besitzen, wenn es so viel mehr Sinn macht, eins zu teilen?

Mein ideales Szenario

Idealerweise würde man ein oder zwei Autos pro Mietshaus besitzen. Über eine App wird der Wagen reserviert bzw. gebucht. Die Abrechnung erfolgt anteilig nach Kilometern und Nutzungsdauer, eine Grundgebühr zahlt jeder, der das Auto potentiell nutzen könnte.

Parken ist in den Straßen um das Haus kein Problem, es gibt ja nicht mehr Autos, als direkt vor das Haus passen. Den Kindersitz baut man ein, wenn er gebraucht wird.

Mir ist klar, dass das dem klassischen Car-Sharing-Modell recht nahe kommt. Eine größere örtliche Nähe zum nächsten Auto und eine höhere Verfügbarkeit durch eine begrenzte Anzahl von möglichen Nutzern macht „mein“ Modell attraktiver für Familien bzw. an das eigene Auto gewöhnte Menschen und erleichtert so den Umstieg.

Das könnte man natürlich beispielhaft auch mal für ein Haus oder einen Kiez organisieren. Ist vielleicht noch jemand aus Berlin-Moabit hier? Kann jemand die App dafür bauen?

Buchempfehlung

Für alle, die das Thema interessiert, kann ich das Buch „Volk ohne Wagen“ von Stefan Rammler empfehlen. Nach der Lektüre des Buches will ich das Auto noch mehr abschaffen. (Der Link ist ein Affiliate-Link. Falls ihr das Buch darüber kauft, kann es passieren, dass ich ein paar Cent bekomme. Alternativ leiht ihr es Euch bei mir aus.)

Was sind Eure Erfahrungen?

Habt ihr Erfahrungen mit Kleinkind und ohne Auto? Welchen Mobilitätsmix benutzt ihr? Wie kommt ihr damit klar? Wie kommt Ihr zu den Großeltern in die Pampa? Schleppt ihr Kindersitze durch die Stadt, falls es doch mal ein Auto sein muss?

2 thoughts on “Mobilität mit der Familie

  1. Was soll ich sagen: Oldenburg, Hamburg, Berlin. Alles ohne Auto und Berlin ohne Auto mit Kind. Geht. Etwas Planung und auch der Zeitfaktor minimiert sich. Fuer groessere Einkaeufe (Moebel) oder unzugaengliche Stecken (Brandenburg) gibts das Carsharing der Bahn (mit, man staune: der professinellste Kundenhotline die ich kenne) oder einen anderen Anbieter. Autositz wird halt ggf. migeschleppt. Unbequem (da koennten die Herstellenden mal nachbessern mit ner Tragehilfe fuer den Ruecken o.ä, aber da nicht mehr als 4-5 mal in 12 Monaten auch kein Thema und hin und wieder springt die Oma ein. Urlaub per Bahn aber mit nem 1,5 Jährigen machen wir eh keine Weltreisen und wenn machen genug Eltern vor, dass selbst diese ohne eigenes Auto gehen. Es mag sein, dass sich das mit zwei oder mehr Kindern drastisch anders gestaltet. Wir werden sehen.

  2. Es gibt auch zum Beispiel Optionen wo du privaten Autos mieten kannst. Da hättest Du evtl. Kindersitzte dabei (und sogar drei) wenn Du zB meinen Auto mieten würdest. Es muss aber nicht unbedingt sein, dass jemand mit Kinder bei dir in der Nähe seinen Auto mietet, du musstest dann deinen schleppen…
    Ich hatte, damals als ich nur einen Kind hatte und nicht immer das Auto für mich, so einen „kiezbasiert“ sharing-Auto. Es war etwas ähnlich, was „deine“ Idee ist, aber von einer Firma. Ich glaube die gibt’s es mittlerweile nicht mehr. Da habe ich einfach ins Auto das kindersitz reingebaut und das wars. Häufiger habe ich es mit dem babyschale gemacht, danach wurde es zu aufwendig und hat keinen spass mehr gemacht.
    Ich kenne mittlerweile mehrere kleine und mittelgroße Familien (1&2 Kinder), die es ohne Auto schaffen. Sie mieten ganz traditionelle Autos, wenn sie zu Oma fahren. Ihre Bewegungen sind meistens nur im Kiez, weil länger Man es mit Fahrrad nicht will/kann/schaft. Und für größeren Ausflüge steht immer Bahn oder ÖVM als Möglichkeit.
    Für mich wäre es keine Option… Ich liebe Auto, fahre gerne und fühle mich deutlich entspannter wenn die Kinder da sitzen als im S- oder U- Bahn, besonders wenn ich alleine unterwegs bin. Wenn wir alle zusammen sind benutzen wir vermehrt ÖVM, aber verreisen werden wir es weiter mit unserem Auto machen…

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