Papa trifft Papa: Zweisprachige Erziehung

Es wird Zeit für eine neue Rubrik. In loser Folge soll es bei Papamachtsachen Gastbeiträge von anderen Vätern geben. Den Anfang macht mein guter Freund Julio.

Julio lebt mit seiner spanischen Familie seit mehr als fünf Jahren in Berlin, wir kennen uns schon mehr als zehn Jahre, haben mal beide in Dresden gewohnt und uns immer wieder besucht und nicht aus den Augen verloren.

Schon ein paarmal habe ich Julio gefragt, ob er nicht einen Beitrag für den Blog schreiben will. Er schafft es immer wieder, komplexe Zusammenhänge in schönen Bildern zu beschreiben und ganz nebenbei die Dinge einfach scheinen zu lassen. Dabei ist Deutsch gar nicht seine Muttersprache (auch wenn man das nicht glauben will).

Hier kommen Julios Gedanken über das zweisprachige Aufwachsen seiner Kinder in Deutschland:

Wir sind Spanier und leben seit sechs Jahren in Berlin. Wir haben viel Kontakt mit Einheimischen und auch mit Freunden aus unserem Land. Wir waren späte Migranten.

Mit dreißig merkt man, dass man immer ein Fremder sein wird. Ich höre häufig im Radio Sprecher kurdischer, türkischer oder polnischer Eltern die aber in Deutschland geboren sind. Ich finde es lustig, wenn sie über das Phänomen Ausländer-sein sprechen. Hier eingeschult und aufgewachsen, werden sie von ihrer reinen teutonischen Stimme, Kadenz, Grammatik und Diktion, nicht verraten. Der Dativ und das Genre sind immer richtig. Am Mikrofon bleiben sie unbemerkt. Es verrät Sie vielleicht ihr Nachname oder ihr Aussehen, das im Radio nicht existiert.

Als ich in der achten Klasse war, hieß das erste Kapitel des Spanischbuches „Sprache und Denken“. Es kam mir plötzlich faszinierend vor. Wenn es keine Sprache gibt, kannst du denken? Ich werde nicht auf das eingehen, was Heidegger oder Wittgenstein meinten. Aber Sprache ist auch Identität. Etwas dass die Auswanderer teilweise verlieren. Weil es eine Zeit gibt, in der man zu nichts gehört.

Und in der Nostalgie des Verlorenen und der eigenen Kindheit möchte man durch die Sprache dem Nachwuchs dieser Welt übermitteln. Ich möchte, dass meine Kinder richtig schimpfen lernen und etwas lauter sprechen. ich möchte mit etwas verzweífeltem Stolz, dass sie mit Leidenschaft und Flexibilität leben. Ich möchte, dass sie unseren Stempel tragen und dass er sie sie glücklich macht. Ich möchte, dass sie mit ihren Cousins und ihren Großeltern sprechen. Dass Sprachen ihnen Türen öffnen und nicht schließen.

Eine Frage, die uns oft gestellt wird, ist, ob wir die Kinder in eine zweisprachige Kita bringen. Warum? denke ich. Zu Hause wird Spanisch gesprochen und der Kita Deutsch. Ansonsten wären die Kleinen in der lateinischen Welt zu sehr durchdrungen. Sehr einfach.

Eine andere nicht so seltene Frage ist, ob einer der beiden mit den Kindern Deutsch spricht. ln diesem Moment lache ich und sage: dann würden sie so schlecht wir der Vater sprechen, Es macht keinen Sinn. Das Aufziehen zweisprachiger Kinder ist keine Neuheit. Und für uns bleibt es ein großes Rätsel.

Es gibt Geschichten von Erfolg und Misserfolg. ich höre sie alle gern, obwohl ich immer noch nicht weiß, was der richtige Weg ist. Die Realität ist außerdem, dass die ältere Schwester Spanisch sehr gut spricht, aber wenn sie mit sich selbst spricht, spricht sie auf Deutsch.

Die ersten Worte der Zwillinge sind auf Deutsch. In welcher Sprache werden sie spielen? In welcher Sprache werden sie träumen? Vielleicht haben wir nicht einmal Einfluss auf alles und wir müssen einfach mit dem Chaos fließen. Und wir werden weiter Tortilla essen und im Silvester Ramón Garcia im Fernsehen anschauen.

Aber wenn die Kälte im Dezember kommt, werden wir in Advent Plätzchen backen und Glühwein trinken. Und wir werden wahrscheinlich immer noch nicht wissen, wer wir sind oder zu was wir gehören. Und ich hoffe nur, dass sie durch unsere Worte lernen, das Leben mit Freude zu genießen.

Danke Julio, für diesen wundervollen Beitrag.

Zieht ihr selbst zweisprachig Kinder groß? Wie macht ihr das? Findet Ihr Euch in Julio’s Modell wieder? Oder übernehmt ihr beide Sprachen zuhause selbst?

Lasst mich wissen, wenn ihr Fragen und Anmerkungen habt. Julio diskutiert fleißig mit uns.

 

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