Internetguide für Eltern

Gestern nachmittag war ich in Berlin im Digitalen Lernzentrum von Facebook. Dort wurde im Rahmen des Safer Internet Day der neue Internetguide für Eltern vorgestellt. Bisschen früh für Bubu, könnte man meinen. Doch weit gefehlt!

Die Veranstaltung

Schirmherr und Veranstalter ist FSM. Stellen wir ganz an den Anfang die zugehörige Pressemitteilung, an dieser muss sich der Guide dann am Ende messen lassen.

Der Nachmittag folgt der klassischen Form, was bedeutet, dass man sich das Buffet erst verdienen muss. Begrüßung, Podiumsdiskussion, Vorstellung des Internet Guides, abschließend Trinken und Essen Netzwerken.

Schade, dass keine Eltern in explizit dieser Rolle hier sind (oder auch nur davon gewusst haben). Fast alle Besucher kommen von anderen Bildungseinrichtungen, -trägern und Partnern des Projekts. Klar ist es wichtig, dass die eigene Branche weiß, was los ist – aber die eigentlichen Adressaten abzuholen macht doch mehr Sinn?

Die Podiumsdiskussion steht unter dem Thema „Medienerziehung in der Familie heute – Eltern milieuübergreifend aufklären und unterstützen“. Angetreten sind Vertreter der verschiedenen Partner, die den Elternguide gemeinsam erschaffen haben.

Die Diskussion

Auch wenn durch die Moderation immer wieder versucht wird, eine Diskussion aufzubringen oder kontroverse Fragen zu stellen, so ist man sich doch den Nachmittag über in allen wichtigen Punkten einig.

Eltern sollen begleitet werden in der Mediennutzung ihrer Kinder, weil Sie sich oft selbst in einem Dilemma befinden. Sie empfinden Ihre Kinder einerseits als zu jung, bestimmte Formate oder Medien zu nutzen, zum anderen wollen Sie ihre Kinder keinesfalls abhängen oder ausgrenzen.

Ziel der Begleitung ist es, Chancen der Mediennutzung und den Schutzgedanken gleich berechtigt zu behandeln. Aus meiner laienhaften Sicht ist dieser Ansatz genau das, was ich mir als Vater wünsche und erwarte.

Konsens bei allen Beteiligten ist: die Angebote sind da, die Eltern wissen aber nicht wo. Erreicht werden maximal die ohnehin sensibilisierten Eltern. Es gibt viele Optionen für Eltern. Die richtigen Optionen den richtigen Eltern nahe zu bringen, das ist die große Herausforderung.

Warum es also den Elternguide noch zusätzlich braucht? Zitieren wir die Pressemitteilung:

„Durch den einfachen Zugang zu passenden Inhalten, aber auch durch audiovisuelle Formate sowie einfache und klare Sprache werden auch Eltern erreicht, die von klassischen Webangeboten oder Methoden der Elternarbeit bislang nicht erreicht werden.“

Alle Partner sind sich einig, etwas Gutes geschaffen zu haben. Nach diesem Schlussfazit wird der Guide vorgestellt.

Der Guide

Vorgestellt wird der Internetguide für Eltern, in dem sich durchgeklickt wird. Das könnt ihr selbst natürlich auch tun, nämlich hier. Schön ist, dass es eine Differenzierung nach Altersstufen der Kinder gibt, beginnend mit dem Säuglingsalter bis hin zum Teenager. An diese erste Auswahl anschließend, ergeben sich verschiedene Themenbereiche. Versucht wurde, alle Themen kleinteilig zu behandeln und von langen Texten abzusehen. Videos sollen schnelle Antworten auf Elternfragen geben.

Soweit die Theorie. Die Praxis zeigt: Es gibt noch viel Luft nach oben. Meine Einschätzung stellt sich wie folgt dar:

  • Angekündigt in der Pressemitteilung war ein einfacher Zugang in einfacher und klarer Sprache. Ich bekomme eine stark text-basierte Webseite, keine Grafiken – selbst Statistiken werden in Fließform übertragen. Die Texte sind gekürzte Vorlagen aus bestehenden Broschüren, die man versucht hat „leichter“ zu machen. Die Texte zu den Lebensphasen der Kinder sind aber beispielsweise mit einem Fleschindex um die 50 alle als „mittelschwer/schwer“ lesbar einzuschätzen.
  • Erreicht werden sollen vor allem Eltern, die durch die bisherigen Methoden der Elternarbeit bisher nicht erreicht wurden. Klingt bisschen kompliziert, aus der Diskussionsrunde weiß ich, es geht hier auch und vor allem um Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund. Ich sehe: Alle Texte sind auf Deutsch, alle Kinder auf allen Bilder sind weiß und haben keinen (erkennbaren) Migrationshintergrund. Das klingt erstmal banal, stellt aber Hürden dar, die man einfach hätte vermeiden können.
  • Audiovisuelle Formate sollen das Thema leichter zugänglich machen. Es gibt sechs Videos. Die gestellte Frage wird oft mit „es kommt drauf an und so einfach ist das nicht “ beantwortet. Immer werden die Abwägungen, worauf es ankommt, wirklich gut dargelegt. Die Videos helfen weiter. Es dürfen gern schnell mehr werden.
  • In einem Video wird von unzähligen Apps gesprochen, die auf der Seite des Elternguide bewertet und vorgestellt werden. Gezählt habe ich sechzehn – da sind Webseiten schon inklusive. Viele vorgestellte Apps werden in fast jedem Medientyp nachgenutzt.

Natürlich ist der Internetguide für Eltern ein lebendes Projekt und wird weiter entwickelt. Es werden weitere Videos hinzukommen, es werden weitere Apps vorgestellt werden. Es kann eine weitere Sprache hinzugefügt werden, auch wenn der Fokus aktuell wohl bei deutsch bleibt. Trotzdem bin ich von Umfang und Darstellung nach der einführenden Diskussion und Ankündigung enttäuscht (Was dem absolut nicht widerspricht: Alle beteiligten Partner am Internetguide für Eltern machen eine sehr wichtige und gute Arbeit).

Mein Fazit

Ich habe mich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt und habe dazu keinerlei Vorbildung. Ich bin einfach nur Vater. Mir ist klar, dass ich mich jetzt vielleicht in die Nesseln setze. Ich finde trotzdem, dass der Elternguide in der aktuellen Form sein Ziel verfehlt. Ich befürchte, dass man es eben nicht schafft, die eigentliche Zielgruppe zu erreichen.

Wie schon geschrieben, ist der Elternguide zudem kein finales Produkt. Er lebt und wird weiter überarbeitet. Deshalb hier ein paar Ideen von mir, was man besser machen kann:

  • Mehrsprachigkeit umsetzen.
  • Bilder der Zielgruppen (Eltern/Kinder) nutzen, die man erreichen möchte.
  • Eine App anstelle (oder parallel zu) einer Webseite für den Elternguide bereitstellen.
  • Ein Glossar hinzufügen. Eltern, die wenig Ahnung haben, können mit den Begriffen „In-App-Käufe“ oder sogar „App“ vielleicht nichts anfangen.
  • Content, Content, Content: Schnell mehr Videos bereitstellen, mehr Apps und konkrete Themen besprechen – damit holt man Eltern wirklich ab.

Ist denn alles schlecht? Natürlich nicht. Wir können uns unheimlich glücklich schätzen, dass es auch im Umfeld der Medienerziehung Beratungsangebote für Eltern gibt – noch dazu kostenlos. Ich bin gespannt wie es mit dem Internetguide für Eltern weitergeht.

Eure Meinung

Ich möchte gern mit Euch diskutieren. Was meint ihr zum Thema? Ist dieses Thema überhaupt interessant für Euch?

Setzt ihr Euch mit der Medienbildung Eurer Kinder auseinander? Wie tut ihr das? Habt ihr den Elternguide mal angeschaut? Wie findet ihr diesen?

Ich freue mich auf Eure Kommentare.

2 thoughts on “Internetguide für Eltern

  1. Hallo Falk,
    vielen Dank für deinen Blogpost zum Internetguide für Eltern und vor allem für deine Kritik am Angebot, die wir uns als „Ersteller“ und Partner auch „zu Herzen“ nehmen. Feedback ist uns wichtig.
    Nur eine Sache würden wir gern klarstellen: Es geht nicht in erster Linie um Eltern mit Migrationshintergrund. Auch Eltern ohne sind so unteschiedlich – nicht nur beim Bildungshintergrund, auch z.B. bei Einstellungen, Haltungen etc. – und sollten kleinteiliger abgeholt werden. Das ist vielleicht falsch rübergekommen. Wir haben diese Elterngruppe (mit Migrationshintergrund) explizit für den Anfang ausgeklammert, da hier ganz anderen Anforderungen an ein Angebot bestehen. Auch ist nicht jede Migrationsgruppe gleich. Hier müssen z.B. kulturelle Hintergründe unterschieden werden, die die Mediennutzung beeinflussen.
    Wir fangen mit dem Angebot gerade erst an. Es muss und wird wachsen. Dabei ist Feedback von Eltern mehr als wichtig. Vielleicht setzen wir uns dafür mal zusammen oder machen gemeinsam Videos?

    Viele Grüße
    Björn vom „Internetguide für Eltern“

    1. Hallo Björn,

      vielen Dank für die Klarstellung und Rückmeldung von deiner Seite. Ich begleite gern jede weitere Aufwertung und den Ausbau des Elternguide.

      Beste Grüße,
      Falk

Gib deinen Senf dazu: