Die Finnen und das Glück

Ihr habt es sicher gelesen, die Finnen sind glücklich. Sie sind sogar so glücklich, dass Sie laut einer Umfrage der UN das glücklichste Volk der Welt sind.

Das gilt nicht nur für Finnen, sondern auch für Menschen, die nach Finnland zugezogen sind. Es muss also irgendwie an den Lebensbedingungen liegen. Wie kommt es, dass Menschen, die ein paar Monate im Jahr in totaler Dunkelheit leben, so glücklich sein können?

Es liegt nicht an wirtschaftlichen Kenngrößen wie dem Bruttoinlandsprodukt. Das ist in Finnland niedriger als in den Nachbarländern (die die folgenden Plätze auf der „Glücksliste“ belegen) und viel niedriger als z.B. in den USA.

Den Finnen gelingt es offenbar, Wohlstand in Wohlbefinden zu überführen. Stabile Sozialsysteme, freie Bildung auch an Universitäten und eine starke Balance zwischen Arbeit und Freizeit werden als wichtige Faktoren angesehen, für die man auch bereit ist, höhere Steuern zu bezahlen.

Ein paar Tage bevor die 2018er „Glücksliste“ von der UN veröffentlich wurde, bin ich über einen anderen Artikel gestolpert. Wieder nur in Englisch, aber ich versuche die wichtigsten Punkte wiederzugeben und frage mich, ob es da nicht einen direkten Zusammenhang gibt.

Finnland ist nämlich auch ein Land, in dem Väter mehr Zeit mit Ihren Kindern verbringen als Mütter. Ok, es sind nur 8 min pro Tag und es geht um Schulkinder. Aber sagen wir einfach, Väter und Mütter in Finnland verbringen gleich viel Zeit mit Ihren Schulkindern. Das hat sicher auch damit zu tun, dass das Land auf Platz zwei in der „Gender-Equality“-List landet, also bei der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern.

Die finnische Familienministerin erklärt es so, dass die Politik nicht darauf ausgerichtet ist, was gut für Mütter oder Väter ist. Die Politik ist darauf ausgerichtet, was gut für Kinder ist.  Und das Recht der Kinder ist es, beide Eltern um sich zu haben. Deshalb versucht man Rahmenbedingungen zu schaffen, die das ermöglichen.

Interessant wird es, wenn man die Elternzeitregelungen in Finnland anschaut. Die sind nämlich noch nicht mal so gut wie in Deutschland. Die gewährten Zeiten sind kürzer als in Deutschland und auch die Verteilung zwischen Vater und Mutter ist aus meiner Sicht hier noch flexibler.

Aber das ist eben nicht alles. Es handelt sich einfach auch um kulturelle Unterschiede, die mit finanzieller Unterstützung nicht gleichzusetzen sind. Ich hatte vor ein paar Jahren mal ein Projekt in Schweden. Niemand durfte ein Meeting nach 15 Uhr ansetzen. Jeder hat das Büro spätestens um 16 Uhr verlassen. Externe Berater wurden aufgefordert, bitte nicht länger als bis 16.30 Uhr zu arbeiten um nicht mit schlechtem Beispiel voranzugehen. Der Nachmittag gehörte einfach der Familie. Das Projekt wurde ohne Probleme pünktlich beendet.

Was wir daraus lernen können? Es sind nicht immer nur die Rahmenbedingungen, die der Staat setzt, die es uns leichter machen, mehr Zeit mit unseren Kindern zu verbringen. Wir müssen es auch schaffen, die allgemeine Wahrnehmung und Achtung gegenüber der Leistung von Eltern und damit unsere Arbeitskultur zu ändern.

Papas, verbringt mehr Zeit mit Euren Kindern. Mamas, lasst die Papas machen. Jeder muss sich dafür einsetzen, dass endlich eine echte Gleichberechtigung herrscht. Die Politik kann ihren Teil dazu tun: Das Ehegattensplitting muss endlich abgeschafft werden und durch eine Steuererleichterung für Eltern ersetzt werden.

Was denkt ihr? Werden wir es in Deutschland in absehbarer Zeit schaffen, ein ähnliches gesellschaftliches Klima wie in Finnland herzustellen? Oder dauert das über unser eigenes Ableben hinaus? Was sind die größten Hürden aus Eurer Sicht?

Habt ein schönes Wochenende,

euer Falk

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