Marokko mit Kind – ein Roadtrip in 11 Tagen – Teil 1

Die Vorgeschichte

Wir haben ewig lang immer wieder Urlaub vor uns hergeschoben. Selbständigkeit bei mir und Feuerwehreinsätze im Job bei meiner Frau schienen nie den richtigen Zeitpunkt zuzulassen. Dann hatten wir uns für November entschieden, auch zweimal das Ziel festgelegt – um schlussendlich alles über den Haufen zu werfen. Seit Ende Oktober kann man nämlich direkt nach Marrakesch fliegen, von Berlin aus (sogar von TXL!).

Also haben wir drei Wochen vorher die Flüge gebucht. Die Flugzeiten lagen perfekt über den Vormittag/Nachmittag, morgens ausschlafen möglich, Mittagsschlaf im Flugzeug. Mit Kinder ist das ja nicht ganz unerheblich.

Wir haben dann eine Weile hin und her überlegt, was wir machen wollen: entweder wenige Stopps und viel Entspannung oder eher ein Roadtrip. Nachdem wir uns ein bisschen informiert haben, was man wo machen kann, haben wir uns zum Roadtrip durchgerungen. Die Route war Marrakesch – Essaouira – Agadir – Ait-Ben-Haddou – Marrakesch. Das sind insgesamt ca. 1.000 km, die nur einen kleinen Teil von Marokko abdecken, aber viel unterschiedliche Szenerien: Berge, Meer, Stadt, Land.

Route
Ein Kringel durch Marokko

 

Wir waren überall zwei Nächte, außer in Agadir, dort waren wir drei. Als es aus Marrakesch rausging, haben wir ein Auto geliehen. Das haben wir aus Deutschland noch telefonisch klar gemacht bei einem lokalen Anbieter, die Hotels haben wir auch vorab gebucht. Sonst hatten wir keine richtige Idee und haben uns treiben lassen bzw. immer erst vor Ort informiert.

Insgesamt haben wir nur sehr wenig Zeit vorab investiert, einfach weil diese nicht da war. Am Ende hat sich das als völlig unproblematisch herausgestellt. Wir wollten auch ein bisschen Flexibilität behalten, man weiß ja nie…

Die Anreise

Der Hinflug war entspannt. Mittagsschlaf, Hörbücher und ein paar Videos auf dem Tablet machten die Zeit für Bubu erträglich, bei mir fängt die Schmerzspanne erst bei 6h oder mehr Flug an. Es gibt aktuell keine Zeitverschiebung, da Marokko kurzentschlossen die Zeitumstellung zwei Tage vorher abgesagt hat. Das hat zu ein wenig Chaos bzgl. der Flugzeiten und bei der Ankunft geführt, denn am Tag der Anreise wusste selbst in Marokko keiner genau, wie spät es jetzt offiziell grad ist.

Marokko
Ein Blick auf Marokko

Als wir ankamen, war es dann etwas anstrengend. Die Schlange an der Passkontrolle war etwa 2h lang. Mit Kindern unbedingt aufpassen, dass man den richtigen Abzweig erwischt, es gibt eine Extra-Schlange für Familien und andere VIPs. Dann dauert es „nur“ 45min. Nicht vergessen, die herumliegenden Zettel auszufüllen für die Passkontrolle!

Draußen wartete ein Fahrer vom Hotel, leider warteten wir auf einen allein reisenden Mann aus unserem Flieger, der die lange Schlange genommen hatte. Nächstes Mal würde ich direkt ein Taxi nehmen (Preise immer vorab verhandeln!). Die Fahrt nach Marrakesch hinein, hat mir dann einen kleinen Kulturschock verpasst.

Es war die erste Begegnung mit dem Verkehr und zugleich waren tausende Fussgänger unterwegs. Ein riesiges Gewusel, je näher wir der Altstadt kamen und das Gefühl einer gewissen Orientierungslosigkeit. Gleichzeitig war klar, dass uns auf jeden Fall nicht langweilig werden würde.

Marrakesch – die erste

Am Ende kamen wir doch relativ erschöpft im Hotel an, einem Riad in der Medina, der Altstadt von Marrakesch. Riads sind alte Häuser mit einem Innenhof, die zu großen Teilen in Hotels umgewandelt wurden. Es gibt diese in ALLEN Preisklassen. Unseres war wirklich sehr schön, mit Dachterrasse und sehr schönen Zimmern. (Falls jemand sucht, wir hatten die Chocolat Suite). Wir hatten extra ein Zimmer mit einem zusätzlichen Bett genommen (und noch ein Beistellbett bekommen), dass Hauptbett war aber so groß, dass wir ohne Probleme zu dritt drin schlafen konnten.

Zimmer
Die Chocolat Suite.

Abends waren wir noch schnell was essen. Es war ein Zufallstreffer, aber im Black Chich Cafe gab es schon am ersten Abend so ziemlich das beste Essen des ganzen Trips. Eine Mischung aus senegalesischer und marokkanischer Küche mit ganz spannenden Gewürzkombinationen, bester Couscous für Bubu und selbstgemachte Limonaden haben unsere Müdigkeit gut überbrückt.

Viel zu spät im Bett, haben wir dann die erste Nacht sehr gut verbracht. Am nächsten Morgen wartete eine Führerin auf uns, die wir im Hotel noch am Abend vorher gebucht hatten. Individuell konnten wir besser auf notwendige Pausen reagieren und im Zweifelsfall auch einfach die Tour abbrechen, wenn Bubu keine Lust mehr gehabt hätte.

Riad
Klassisches Riad. Innenhof, alle Zimmer schauen auf diesen.

Los ging es also durch die Medina, wir waren in einem Palais, in einem zum Museum umgebauten Riad, in einer Kooperative für Arganöl, wo wir uns literweise damit eingedeckt haben und Bubu selbst mal ein bisschen mit dem schweren Mühlstein die gerösteten Samenplättchen quetschen konnte. Wir waren die ganze Zeit mit dem Buggy unterwegs, das hat auch gut geklappt, es gibt in der Altstadt nur wenige Treppen – und wo ein Eselskarren einen Weg findet, schafft das auch ein Buggy 🙂

Nach dem Mittagsschlaf haben wir uns dann noch etwas ausgesucht, was etwas ruhiger sein sollte – den Jardin Majorelle. Ein botanischer Garten, es gibt auch noch das YSL Museum und ein paar sehr schöne Ausblicke und himmlische Ruhe mitten in Marrakesch.

Nach ein paar Verhandlungen mit dem Taxifahrer ließen wir uns in rasanter Fahrt hinbringen (kein Kindersitz, keine Gurte). Auch hier gibt es eine extra Kasse, die man mit Kindern benutzen darf.  Es sind relativ viele Leute da, handelt es sich doch um eine der meist besuchten Attraktionen in Marokko. Ist aber auch schön da!

Jardin
Jardin Majorelle

Bubu fand es toll, herum rennen zu können, Fische zu beobachten und zum ersten Mal im Leben Bananen am Baum zu sehen. Wir haben Unmengen Fotos gemacht, im Anschluß nebenan noch ein paar fancy Läden besucht und Kaffee, Kuchen und Eis genascht. Eine schöne Ecke von Marrakesch, die ich so irgendwie nicht erwartet hatte.

Zurück ging es wieder mit dem Taxi. Die klassische Verhandlung ist immer gleich. Buggy einklappen, Preis nennen lassen, Buggy entrüstet wieder auspacken, eigenen Preis nennen, entrüstetes Schnauben des Taxifahrers, auf eigenem Preis beharren, Diskussion, weggehen – eigenen Preis bekommen.

Das Abendessen gab es auf Vorbestellung im unserem Riad, kurze Wege sind mit Kindern speziell dann ja sehr schön, wenn alles etwas müde und angestrengt werden. Als es dunkel war, waren wir auch kurz auf dem Djeema el Fna, dem berühmten Gauklerplatz in der Altstadt. Das war mit einem übermüdeten Kind und tausend gleichzeitig auf einen einstürzenden Gerüchen, Geräuschen und Personen aber für alle etwas viel, und so beschränkte sich unser Besuch auf eine sehr kleine Runde.

Am nächsten Morgen ging es dann auch schon per Taxi zum Abholen des Mietwagens und damit raus aus der Altstadt und auf ins nächste Abenteuer.

Im nächsten Teil nehme ich Euch dann mit auf den Roadtrip und die eigentliche Reise durch Marokko. Falls Euch was besonders interessiert, kommentiert gern hier oder drüben bei Facebook.

Bis bald,

euer Falk

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