Marokko mit Kind – ein Roadtrip in 11 Tagen – Teil 4

Nachdem ich Euch in den letzten Tagen unsere Tour näher gebracht habe und ihr jetzt wisst, wohin es uns verschlagen hat, möchte ich heute noch ein paar praktische Themen ansprechen. Dazu gab es ja drüben bei Facebook auch vorab schon ein paar Fragen.

Reisen allgemein

Bubu ist grundsätzlich schon mal der beste Reisekompagnon, den man sich wünschen kann. Ein paar Sachen haben wir auf unseren Reisen aber auch gelernt. Viele Tipps zum Fliegen mit kleinen Kindern findet ihr hier.

Wir sind mit relativ wenig Gepäck gereist – jeder Backpacker wird uns auslachen, aber als Familie mit kleinem Kind kann sich unser Gepäckumfang sehen lassen. Wir hatten einen mittelgroßen Koffer dabei, in diesem waren alle Klamotten für uns drei drin. Dazu ein 50l-Rucksack, welchen wir ebenfalls aufgegeben haben. Dieser war reserviert für alle Kulturbeutel, Windeln für die ersten beiden Tage, Medikamente und den Krams.

Der Rest war Handgepäck. Das waren ein Rucksack mit Technik, Ladekabeln, Dokumenten, etc., ein Beutel mit Proviant für den Flug und dazu noch Bubus Grüffelokoffer. Dort war sein Spielzeug und die Wickelclutch für den Flug drin. Alles klar verteilt, jeder wusste jederzeit wo was ist.

Auch für Bubu haben wir wenig Spielzeug mitgenommen. Zwei Lieblingsbücher, ein Kuscheltier, Buntstifte, ein paar Blatt Papier. Unterwegs haben wir noch zwei Kleinigkeiten gekauft.

Wir haben vorher überlegt, ob wir den Buggy mitnehmen oder nicht, haben uns dann dafür entschieden und das nicht bereut. Einzig in Ait Ben-Haddou konnte man den Buggy nicht nutzen, durch die Medina von Marrakesch oder an der Strandpromenade in Essaouira ging das gut. Keine Treppen, oft Fußwege und immer bisschen extra Stauraum dabei.

Auto fahren

Längere Autofahrten sind immer so eine Sache. Seit ein paar Monaten haben wir kein eigenes Auto mehr, deswegen war ein bisschen unklar, wie gut das funktioniert.

Wir hatten für Notfälle ein Ipad mit Wimmelbuch-Apps und ein paar Lernspielen dabei – neu entdeckt im Urlaub wurden Hörspiele (Grüffelo und Grüffelokind auf Spotify) und Kopfhörer. Die haben uns in der Tat den Arsch gerettet.

Noch dazu kommt, dass wir immer so gefahren sind, dass wir über den Mittagsschlaf unterwegs waren. Das hat uns immer knapp zwei Stunden gegeben, in denen es unproblematisch war.

Der Rest waren Essen, Pausen machen oder das Verfrachten eines Elternteils nach hinten um ein bisschen zu quatschen oder Bücher anzuschauen. So gab es keinen größeren Zusammenbruch, von niemandem.

Grundsätzlich sollte man etwas konservativer planen als in Deutschland. Meist schafft man 50-60km pro Stunde, insbesondere wenn es in Richtung Inland/Berge geht.

Gesundheit

Mit kleinen Kindern macht man sich ja immer so seine Gedanken. Was wäre wenn? Wir haben uns vorab die Adressen von Krankenhäusern herausgesucht und eine dicke Reiseapotheke mitgenommen. Impfungen sollte man die üblichen haben, Tollwut ist in Marokko immer wieder mal ein Thema – Vorsicht also bei den vielen freilaufenden und bettelnden Katzen.

Bubu war durchgängig gesund. mich hat ein klassischer Reisedurchfall erwischt. Eiswürfel und Salat sollte man halt einfach lassen, auch in guten Hotels.

Verkehr

Das Thema hat ein paar Facetten. Als Fußgänger sollte man grundsätzlich nicht darauf bestehen, dass man auf Zebrastreifen „Vorfahrt“ hat. Gleiches gilt in der Medina, auch in den engsten Gassen kommen Mopeds – teils mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. Kleine Kinder sollte man möglichst immer nah bei sich haben, der Buggy hilft auch hier.

Mit dem Mietwagen habe ich mich fast immer wohlgefühlt. In Marrakesch am besten den Mietwagen nicht irgendwo in die Medina bringen lassen, sondern entweder am Flughafen übernehmen oder ein wenig außerhalb beim Vermieter abholen. Klingt erstmal unbequemer, ist aber ungleich stressfreier.

Erste Regel im Straßenverkehr: Leben und leben lassen. Auch wenn alles chaotisch aussieht, haben wir fast keinerlei Unfälle gesehen. Es ist viel weniger Aggressivität im Spiel als im Berliner Berufsverkehr, jeder drängelt, gibt dem anderen aber auch den Platz den er braucht. Die Strassen waren immer gut, kleinere Ausnahmen sind im Text beschrieben. Navi macht immer Sinn, wir haben es mit Google Maps gut hinbekommen, die meisten größeren Orte sind auch in Französisch ausgeschildert. Allein die Strecke von Agadir nach Ouarzazate (Ait Ben-Haddou) ist erst ab der Hälfte gut beschildert.

Essen

Tagine und Couscous in allen Varianten, das ist sicher die Quintessenz der marokkanischen Küche. Es gibt viele Variationen, mit und ohne Fleisch, mit Fisch, nur mit Gemüse. Mein Highlight waren Pastillas – Blätterteiggebäck mit Hühnchen, Puderzucker und Zimt. Klingt schräg, schmeckt himmlisch.

Für Bubu, der immer noch sehr kohlenhydratorientiert ist (Pommes, Reis, Kartoffeln) war Couscous pur eine gute Alternative. Obst usw. gibt es natürlich überall, Milch ebenso.

Besonderheiten

Aufgefallen ist mir zum Beispiel, dass es nirgendwo Plastikbeutel gab. Selbst Minishops an der Strasse haben Beutel aus dünnem Stoff oder Baumwolle, die man auch gut weiterverwenden kann.

Ich fand es außerdem bemerkenswert, wie selbstverständlich Eselskarren in Marokko noch als Verkehrsmitteln genutzt werden. Man sieht die Dinger überall, selbst in Marrakesch.

Kosten

Die Flüge gab es für etwa 500 Euro für drei Personen, inkl. Gepäck, viel Handgepäck etc.  – dabei haben wir erst drei Wochen vorher gebucht. Das Auto hat 245 Euro für 9 Tage gekostet, Sprit für 1.000km etwa 70 Euro. Alle Hotels haben inkl. Frühstück max. 100 Euro pro Nacht gekostet, außer der Villa Fawakay. Das war teurer.

Essen gibt es in allen Preisklassen, einfache Restaurants 5 Euro pro Mahlzeit. Nach oben ist auch das relativ offen, grundsätzlich fand ich es billiger essen zu gehen als in Deutschland, selbst im 5* Hotel inkl. Zimmerservice.

Am Ende macht es natürlich die Menge, jeden Tag mehrfach essen gehen muss man sich leisten wollen.

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Marokko – ein Reiseziel mit Kindern?

Unbedingt. Ich fand es rundum gelungen. Kinder sind immer ein Türöffner, ein Icebreaker. Man kommt mit vielen in Kontakt, kommt schneller dran, kann an der Schlange vorbei und ein lautes oder weinendes Kind ist nie ein Problem.

Sicherheit war zu keinem Zeitpunkt ein Problem, sieht man davon ab, dass das Konzept des Kindersitzes (und manchmal auch des Anschnallgurtes) in Taxis grundsätzlich unbekannt ist.

Sind Fragen offen geblieben? Wollt ihr noch etwas wissen? Meldet Euch gern bei mir oder kommentiert hier oder drüben bei Facebook.

Passt auf Euch auf,

bis bald, Euer Falk

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