#Arbeitgeberwunsch – ein Wunschzettel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Dieser Text ist Teil der Blogparade #Arbeitgeberwunsch von GroßeKöpfe. Dort findet ihr weitere Beiträge zum Thema.

Zum Thema Vereinbarkeit hab ich immer wieder geschrieben. Das Thema ist für meine Frau und mich aufgrund diverser Punkte spannend und relevant:

  1. Wir arbeiten beide Vollzeit (meine Frau oft noch darüber hinaus, ich als Freelancer habe es mittlerweile selbst in der Hand).
  2. Wir müssen beide reisen (ich meist innerhalb Deutschlands und relativ regelmäßig, meine Frau unregelmäßig, dann aber eher in die USA und für mehr als zwei Tage)
  3. Großeltern oder erweiterte Familie gibt es in Berlin oder näherer Umgebung nicht für uns

Das sind die Rahmenbedingungen, mit denen wir seit dem Ende unserer Elternzeiten jonglieren. Den Großteil der Zeit war ich fest in Vollzeit angestellt. Ich kenne also die Sicht des Angestellten ziemlich gut.

Folgende Dinge helfen uns dabei oder sind uns bei unseren Arbeitgebern aufgefallen und wären grundsätzlich für alle arbeitenden Eltern hilfreich und wünschenswert:

  • Home-Office Option an jedem Tag in der Woche
  • Krankenschein erst ab dem 3. Krankheitstag notwendig, sowohl für Krankheiten des Kindes als auch bei eigener Krankheit
  • Vollständig flexible Arbeitszeiten (soweit mit Kunden/Projekt vereinbar)
  • KiTa im Büro – mein vorheriger Arbeitgeber hatte in der Zentrale in Köln in zwei Büros einfach eine Kita eingerichtet. Das hat mir in Berlin nicht geholfen, war aber ein fantastisches Signal an die Mitarbeiter. Wir denken an Euch, wir kümmern uns!
  • Eltern-Kind-Büro – mein vor-vorheriger Arbeitgeber hat in Berlin ein Eltern-Kind-Büro. Dieses konnte man flexibel reservieren, wenn man keine Betreuung gefunden hat und die Kinder einfach mal mit zur Arbeit mussten. Eine Kiste Spielzeug, ein Schreibtisch – fertig.

Was kann darüber hinaus passieren, dass das Arbeiten einfacher wird, dass man Job und Kinder besser vereinbaren kann? Mir fallen da noch ein paar Sachen ein.

  • Kernzeiten bestimmen, in denen Meetings abgehalten werden. Es gibt eh viel zu viele davon. Und 9.30 – 15.30 ist ein Fenster, welches groß genug ist, Meetings abzuhalten. Wenn Teilzeitarbeiter im Team sind, ist das Fenster eben kleiner. Produktiver ist das ohnehin.
  • Überstunden auch für Kind-krank abfeiern können, wenn die „Frei-Tage“ weg sind
  • Kooperationen mit Kitas in der Nähe – eine Gruppe sponsern, eine neue Gruppe eröffnen.
  • Alle Jobs grundsätzlich als „Teilzeitfähig“ deklarieren. SAP schreibt z.B. seit neuestem alle Führungspositionen in Teilzeit aus, mit der Option auf Vollzeit. Wenn Teilzeit das neue Normal ist, und Vollzeit die besondere Option, macht das auch etwas mit dem Mindset der Angestellten. Hier führen auch Begriffe wie Flex50, Flex75, Flex100 zu einer stärkeren sprachlichen Gleichstellung von Teil- und Vollzeit.
  • Schließen der Gender Pay Gap, gleiche Bezahlung für Männer und Frauen. Dies führt dazu, dass gleiche Arbeit gleich bezahlt wird und bei Paaren mit ähnlichen Jobs zumindest finanziell endlich egal wird, wer Elternzeit macht oder Care-Arbeit übernimmt.

Grundsätzlich glaube ich aber, dass nicht nur Arbeitgeber etwas tun müssen, sondern auch Arbeitnehmer. Und hier ganz besonders Väter. Ich zitiere mich selbst:

  • Nehmt mehr Elternzeit, nehmt – wenn möglich – auch Elternzeit ohne die Mutter. Ich hatte 6 Monate Elternzeit, drei davon ohne meine Frau, die dann schon wieder arbeiten war.
  • Holt Euer Kind nachmittags von der Kita ab. Geht mit Eurem Kind auf den Spielplatz, und wenn nur für einen Tag in der Woche ist.
  • Bleibt zu Hause, wenn Euer Kind krank ist. Nehmt Termine beim Arzt mit Euren Kindern wahr.
  • Tröstet Euer Kind, wenn es nachts aufwacht. Dreht Runden unter der Abzugshaube und opfert Euren Schlaf. Sagt Euren Chefs, dass das Kind grad schlecht schläft, wenn Ihr morgens so durchhängt, wie ich an manchen Tagen.

Die Veränderung muss von uns allen kommen. Der Arbeitgeber kann Dinge anstoßen, für manche Dinge muss der Arbeitgeber einfach auch angestoßen werden. Wenn keiner mehr Zeit für Meetings nach 16 Uhr hat, weil auch die Männer nicht hinkommen können, dann wird es vielleicht endlich weniger dieser Meetings geben. Und der Teilzeit-Mitarbeiter wird nicht mehr außen vor sein, weil wichtige Meetings immer außerhalb seiner Arbeitszeiten stattfinden.

Ich weiß auch: Nicht jeder der Maßnahmen lässt sich mit jedem Job vereinbaren. Wenn ich morgens mit Bubu in die Kita gehe und wir sehen die Fahrer von der BSR mit dem großen Müllwagen kommen, dann weiß ich wieder, wie privilegiert unsere Arbeitssituation als „Geistesarbeiter“ in vielen Situationen ist und wie viel sich da schon getan hat. Aber auch diesen Vätern würde eine Kita-Kooperation oder die Option mit Überstunden einen Krankheitstag ausgleichen zu können, sicher helfen.

Habt ihr noch mehr Ideen, wie sich eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gestalten lässt? Was würde Euch konkret helfen? Was könnte Euer Arbeitgeber für Euch tun?

Diskutiert mit mir. Hier oder drüben bei Facebook.

Bis bald, Euer Falk

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