Working Dads #1 – Florian aus Österreich

Den Anfang in der Reihe „Working Dads – Väter und Vereinbarkeit“ macht Florian. Florian lebt in Österreich und hat zwei Kinder – und zwei Jobs. Wie sich das miteinander vereinbaren lässt – und welche Schwierigkeiten er damit hat, erzählt er euch selbst.

Vielen Dank an Florian für die Beantwortung der Fragen!

 

Allgemein

Erzähl mir doch kurz etwas über Dich (wer bist Du, wie alt bist Du, wo bist Du aufgewachsen, wie sieht Deine Familie aus? Etc.)

Mein Name ist Florian, ich bin 35 Jahre und bin in einer der 30 größten Städte in Österreich (also für deutsche Verhältnisse Kleinstadt mit rund 20tsd Einwohnern) aufgewachsen und habe mit durch das frühe Ableben meines Vaters das Elternhaus in meinen frühen 20ern überschrieben bekommen. Meine Frau ist 27 Jahre alt und wir haben zwei Töchter mit 5 und 3 Jahren.

 

Betreuungssituation

Bist Du Alleinerziehend? Lebst du mit der Mutter Deiner Kinder zusammen? Wie teilt Ihr Euch die Betreuung auf?

Wir leben zusammen in meinem Haus – meine Frau, die Kinder und ich im Erdgeschoß, meine Mutter im Obergeschoß. Meine Frau studiert im 4. Semester in einem berufsbegleitenden Studiengang und absolviert ein Praktikum. Wir befinden uns also in ständigem Umbruch und geben uns unter der Woche oft „die Klinke in die Hand“ und sehen uns manchmal nur zum Schlafen. Grundsätzlich habe ich außerhalb der Ferien die Betreuung der Kinder über, sobald ich aus der Arbeit zurück bin und ich nicht gerade politische Termine wahrnehmen muss.

Warum habt Ihr Euch für dieses Modell entschieden?

Da trifft eine Notwendigkeit die Nächste. Meine Frau hat auf Drängen ihrer Eltern hin eine Tourismusschule absolviert, obwohl sie damit überhaupt keine Freude hatte. Natürlich ist es mit dieser Ausbildung und ihren sonstigen Qualifikationen nicht einfach bzw. nahezu unmöglich, in ein anderes berufliches Umfeld einzutauchen – aus diesem mies bezahlten Tourismus- und Gastronomiesumpf zu entkommen. Deshalb kam die Entscheidung für ein Studium.

Dass ich in die Kommunalpolitik kam, hat zwar nicht direkt mit dem Studium meiner Frau und den Kindern zu tun. Dass ich dort noch bin, hat aber schon damit zu tun. Denn natürlich ist das Geld wichtig, um ihr Studium weiter zu ermöglichen, das Haus zu erhalten (für das ich trotz Mutter im Haus gänzlich alleine zahle), und auch noch ein paar Euro Reserve zu haben. Wäre das Geld nicht manchmal wirklich nötig – ich hätte das Mandat (und die damit einhergehenden Funktionen) vielleicht schon an den Nagel gehängt.

Habt Ihr/hast Du Unterstützung (Babysitter, erweiterte Familie, etc.)? Wenn ja, welche?

Na fix haben wir Unterstützung, sonst würde das nie klappen. Die Kiddies besuchen beide den Kindergarten – mittlerweile an 5 Tagen die Woche „dürfen“ sie auch in die Nachmittagsbetreuung. Zum Glück haben sie große Freude daran.

An Tagen, an denen die Nachmittagsbetreuung nicht ausreicht, weil ich Sitzungen habe springt die Oma im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein. Geht das auch nicht haben wir noch eine Hand voll Notfalloptionen: (in dieser Reihenfolge)

  • Mein Bruder/die Schwägerin und deren Tochter: Kümmern sich gelegentlich um die Zwerge, sind jedoch mit ca. 12km Entfernung etwas unpraktisch gelegen.
  • Der Freund meiner Mutter (auch „der Opa“ genannt) und seine Tochter (in meinem Alter): Kümmern sich auch gerne um die Kinder. Von der Entfernung aber ebenfalls unpraktisch gelegen.
  • 1 – 2 Freundinnen meiner Frau würden im Notfall auch die Kinder beaufsichtigen.
  • Weil es gut ins Weltbild meiner Partei passt ist: „Ich habe niemanden für die Kinder“ ist eine durchaus valide und auch angesehene Entschuldigung, auch für Männer. Diese Karte will ich aber nicht zu oft ausspielen.

 

Beruf

Hast Du einen Job? In welchem Beruf arbeitest Du? Wie sind die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Schichten, Anfahrt, etc.)?

Genau genommen sind es zwei Jobs. Einen 40 Bürojob und eben die Politik/den Gemeinderat.

Für den 40 Stunden Job pendle ich täglich mit den Öffis (Bus/Bahn). Die Fahrzeit von Tür zu Tür für eine Strecke (67km) beträgt eine Stunde. Ich verlasse das Haus jeden Tag um 05:40 Uhr und komme um etwa 16:30 Uhr nach Hause (freitags um etwa 13:30 Uhr). Wenn politische Termine in die Arbeitszeit fallen, habe ich dafür eine ausreichende kollektivvertragliche Freistellung von bis zu 90 Stunden im Jahr, die ich auch in Anspruch nehme, wenn es notwendig ist.

Der Gemeinderatsjob liegt (naturgemäß) in meiner Heimatgemeinde, wenn man so will „vor der Haustür“. Die meisten Sitzungen finden am späten Nachmittag oder am Abend statt. So kann es vorkommen, dass mich meine Kinder an einzelnen Tagen gar nicht sehen, weil der Papa fortgeht bevor sie aufstehen und heimkehrt, wenn sie schon tief schlafen. Das kommt von Mo-Do etwa einmal die Woche vor. Dafür ist Papa von Fr bis So fast durchgehend für die Kinder da, weil die Mama eben nicht, oder nur wenig da ist.

An Wochenenden wird in den Ämtern natürlich nicht gearbeitet und viele „Termine“ betreffen einfach das gesellschaftliche Leben – wie der Besuch von Festen und Sportveranstaltungen. Da können die Kinder natürlich gerne auch mal mit und haben mitunter auch großen Spaß daran.

 Kannst Du Arbeits- und Familienleben gut miteinander vereinbaren bzw. bist Du mit der Situation zufrieden?

Familien- und Arbeitsleben sind nahezu maßgeschneidert aufeinander abgestimmt. Das bedeutet, dass es für mich (und auch für meine Frau) quasi jeden Tag Schlag auf Schlag geht. Es gibt Tage, da ist meine Längste „Ruhepause“ die Bahnfahrt.

Dass mich meine Kinder nicht jeden Tag sehen können, und dass sie sonst sehr viel Zeit im Kindergarten verbringen, ist schon bitter für mich. Wenn auch die Kinder die zusätzliche Zeit im Kindergarten lieben – so gesehen mache ich mir wohl auch zu viel Vorwürfe. Wir haben erst vor Kurzem auf 5 Tage Nachmittagsbetreuung umgestellt – und als wir der größeren Tochter gestern offenbart haben, dass sie nun immer lange im Kindergarten bleiben darf, hat sie richtig gestrahlt vor Freude. Die Pädagoginnen im Kindergarten sind auch richtig bemüht und ich habe das Gefühl, dass die Kiddies dort gut aufgehoben sind.

Was mich auch sehr stört ist, dass die Kinder im Moment sehr selten beide Elternteile gleichzeitig um sich haben. Irgendjemand ist immer am Lernen oder Arbeiten. Wirkliche gemeinsame Familienzeit in der sie sich aussuchen können, wer gerade für sie da sein soll oder mit ihnen spielen soll ist sehr rar.

Was müsste sich an Deinem Job ändern, damit Du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen kannst?

Verbindungen mit den Öffis, die noch besser auf meine Arbeitszeiten passen, würden natürlich auch hilfreich sein. Aber da haben natürlich auch andere Leute Interessen und es kann nicht für jeden passen. So könnte ich z.B. bereits um 6 Uhr zu Arbeiten beginnen (und das würde ich wirklich gerne!). Jedoch komme ich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erst um 06:30 frühestens ins Büro.

Was kann nach Deiner Meinung Dein Arbeitgeber dafür tun, dass du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Was auch manchmal helfen würde, wären Homeoffice-Tage. Auch wenn ich dann nur „beiläufig“ für die Kinder da sein könnte, sie z.B. mal eben in den Kindergarten bringen/abholen, oder mal Mittagessen kochen, so wäre es doch nett.

Was könntest Du/was könntet Ihr selbst tun, damit du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Die Politik an den Nagel hängen und Stunden im Bürojob reduzieren wären zwei Optionen. Natürlich könnte auch meine Frau das Studium an den Nagel hängen, was ich aber gar nicht gut finden würde.

Was hält Dich/Euch davon ab, das zu tun?

Geld bzw. die Notwendigkeit ebensolches in einem ausreichenden Ausmaß zu haben um für das nächste Auto zu sparen, Spielsachen für die Kinder zu kaufen, den Kredit für die Renovierung zu bezahlen und auch mal ein paar Tage in den Urlaub zu fahren.

Natürlich könnte man an der „Lebensstil“-Schraube noch das eine oder andere Detail nach unten justieren und z.B. Urlaub auf Balkonien machen statt Badeurlaub am See oder Meer oder statt einem Auto um 15tsd Euro eines um 5tsd Euro fahren. Auch bei den Haushalts- und anderen Elektrogeräten könnte man von der Meinung abrücken, dass man nur noch Geräte vom Qualitäts-Hersteller aus dem mittleren oder oberen Preissegment kauft, oder bei den Lebensmitteln mal auf Herkunft und Bio-Erzeugung achtet.

Letzte Worte

Welche weiteren Gedanken zum Thema hast Du?

Wir leben in widersprüchlichen Zeiten. Einerseits wollen wir die Karriere vorantreiben und die Welt verändern, andererseits wollen wir am Liebsten 24/7 zu Hause für unsere Kinder da sein.

Auf der einen Seite wollen wir einen möglichst individuellen Lebensstil führen, auf der anderen Seite sind wir aber so sehr angepasst, dass ohnehin wieder ein Einheitsbrei entsteht.

Oft würde ich mir wünschen, der Staat würde sich etwas mehr daraus machen, dass wir Kinder bekommen. Die Unterstützungen, die wir dafür bekommen sind im Verhältnis zu den Kosten des Nachwuchses nahezu lächerlich. Noch dazu kann und will ich nicht verstehen, dass in Österreich jetzt die Kinder von besserverdienenden Eltern mehr wert sein sollen, als die Kinder von Eltern, die am Mindestlohn schuften müssen.

(Erklärung: Der neue Familienbonus in Ö wird von der Lohnsteuer abgezogen. Als Alleinverdiener mit zwei Kindern muss man Brutto mindestens 2500 Euro verdienen um diesen Lohnsteuerabzug in voller Höhe von €250,- zu erhalten. Ein Alleinerzieher mit 1700 Euro Brutto erhält für zwei Kinder nur 34€ im Monat. Fair finde ich das, obwohl ich selbst den Bonus in voll Höhe bekomme, überhaupt nicht!)

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