Working Dads #4 – Stephan aus Linz am Rhein

Stephan wohnt in Linz am Rhein, arbeitet als IT Berater und hat eine Tochter. Er hat sich mit seiner Frau für ein klassisches Modell entschieden: er arbeitet entgeltlich, sie macht die Care-Arbeit.

Danke Stephan für die Beantwortung der Fragen!

Allgemein

Erzähl mir doch kurz etwas über Dich (wer bist Du, wie alt bist Du, wo bist Du aufgewachsen, wie sieht Deine Familie aus? Etc.)

Ich heiße Stephan, bin Baujahr 1975, wohne in Linz am Rhein und habe ein 4 Jahre alte Tochter und eine 3 Jahre jüngere Frau.
Wir sind recht spät Eltern geworden, was u.a. damit zusammen hängt, dass wir beide Scheidungskinder sind und ich eigentlich nie Kinder haben wollte. Ich hatte Angst, dass es meinem Kind genau so ergeht, eine tolle Kindheit hatte ich also nicht.

Meine Frau und ich sind Kinder von selbstständigen und hier vermutlich auch stark geprägt. Doch anstatt Angst davor zu haben, es schlecht zu machen, machen wir es einfach besser.

Foto_Stephan

Betreuungssituation

Bist Du Alleinerziehend? Lebst du mit der Mutter Deiner Kinder zusammen? Wie teilt Ihr Euch die Betreuung auf?

Wir leben alle zusammen und haben unseren Lebensstil so angepasst, dass meine Frau nicht arbeiten gehen muss. Dies ist zum einen für das Kind sehr positiv, zum anderen aber auch für meine Frau, da Sie unter einem Rheuma leidet und nicht
arbeiten kann. Nach der Arbeit bzw. in meiner Freizeit übernehme ich auch gerne die Betreuung von unserer Tochter.

Wie teilt Ihr euch den „Mental Load“? Wie ist deine Einschätzung und wie ist die Einschätzung deiner Frau dazu?

Meine Frau sieht das Verhältnis bei 70:30.  Sie sagt:

„Ich versuche meinem Mann soweit es geht den Rücken frei zu halten, damit die gemeinsame frei Zeit wirklich eine  Familienzeit ist.“

Ich selbst sehe es eher bei 80:20.

Habt Ihr/hast Du Unterstützung (Babysitter, erweiterte Familie, etc.)? Wenn ja, welche?

Ja und Nein. Zu meinen Eltern haben wir keinen Kontakt mehr, die Schwiegereltern wohnen 200 Km entfernt und verbringen die Hälfte des Jahres auf der Südhalbkugel – das gönnen wir Ihnen von ganzem Herzen! Dafür ist der Kontakt ja auch umso intensiver, wenn Sie wieder in Deutschland sind. Wir haben einen großen und starken Freundes- und Bekanntenkreis, auf den wir in Notfällen zurückgreifen können.

Beruf

Hast Du einen Job? In welchem Beruf arbeitest Du? Wie sind die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Schichten, Anfahrt, etc.)?

Ich bin als Consultant im Bereich ERP unterwegs, ich berate also Firmen im Bereich kaufmännischer Softwarelösungen. Der Bereich ist sehr flexibel und wir haben viele unterschiedliche Sparten. Das bedeutet auch, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten unsere Kunden ansprechen. Teilweise morgens um 7:00 Uhr, teilweise aber auch Abends um 19:00 Uhr. EDV-Umstellungen finden abends, nachts und/oder am Wochenende statt.

Mein Arbeitgeber, die Firma isales aus Krefeld ist hier aber sehr familienorientiert. Wir können zum Großteil im Homeoffice arbeiten und auch die Arbeitszeiten selber festlegen. Wenn ein Freitag dann aufgrund einer Umstellung doppelt so lange ist wie sonst, ist es selbstverständlich, das ich dafür einen anderen Tag Ausgleich bekomme. Wenn eine Nachtschicht geplant ist, dann kann ich davor auch frei machen und erst später mit der Arbeit anfangen. Private Termine werden im Kalender eingetragen und darauf wird auch Rücksicht genommen. Im Gegenzug dafür erwartet man entsprechende Leistung von mir, die aufgrund verschiedener Faktoren gemessen wird (Umsatz, Kundenzufriedenheit etc.).

Im Vergleich zu anderen Vätern kann ich viel Zeit mit unserer Kurzen verbringen – auch wenn es mal Tage gibt an denen ich Sie nicht sehe, weil Sie entweder schon im Bett liegt oder Papa im Hotel ist. Aber dann gibt es ja noch Facetime. Als Ausgleich zum Job bin ich beim THW und werde demnächst einem Spielmannszug beitreten – Linz ist eine Karnevalshochburg und meine Tochter ist schon in der Tanzgarde.

Kannst Du Arbeits- und Familienleben gut miteinander vereinbaren bzw. bist Du mit der Situation zufrieden?

Ja, siehe oben 😉

Was müsste sich an Deinem Job ändern, damit Du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen kannst?

Einen Tag mehr frei für das gleiche Gehalt.

Was kann nach Deiner Meinung Dein Arbeitgeber dafür tun, dass du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Er müsste bereit sein, das gleiche Gehalt zu zahlen, und auf einen Tag meiner Arbeit verzichten 😉

Was könntest Du/was könntet Ihr selbst tun, damit du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Eigentlich nur: die Brocken hinschmeißen und sich auf die Hartz 4 Karriere konzentrieren. Aber das will ich nicht, ich möchte meiner Familie etwas bieten und hier gilt den Spagat zu schaffen, wobei der mir nicht schwerfällt.

Was hält Dich/Euch davon ab, das zu tun?

Siehe oben  

Letzte Worte

Dem ein oder anderen wird jetzt ein „der hat es ja einfach“ schnell über die Lippen huschen. Mein Job ist weiß Gott nicht einfach und manchmal wäre es mir lieber irgendwo im Supermarkt an der Kasse zu sitzen. Dafür bin ich aber nicht diesen Weg gegangen, der unter anderem auch ein Fernstudium beinhaltete, als meine Frau schwanger war – Risikoschwangerschaft mit Krankenhaus-Flatrate. Jeder von uns Vätern wird hier seine Geschichte erzählen können.

Das wichtigste ist aber doch, dass wir stolze Väter sind. Wenn mich ein Kunde zur Weißglut gebracht hat, dann nehme ich abends meine Prinzessin in den Arm und die Welt ist wieder in Ordnung! Und Nein, Homeoffice ist nicht einfach – zum einen braucht man sehr viel Selbstdisziplin und zum anderen eine verständnisvolle Familie.

Meine Tochter kann nicht einfach so zum Papa rennen und ich habe schon viele Leute kommen und gehen sehen, da sie es mit dem Homeoffice nicht so ernst nahmen und dann doch lieber dem TV folgten 😉

Welche weiteren Gedanken zum Thema hast Du?

Viele – der Staat müsste hier an einigen Stellen noch stärker eingreifen. Es kann nicht sein, dass Väter eine 60 Stunden Woche haben und dafür einen Hungerlohn erhalten. Wir müssten ein Plus im Bereich der Rente bekommen, da wir durch Nachwuchs dafür sorgen, dass der Generationenvertrag funktioniert.

Lange Wege zur Arbeit müssten wegfallen, man geht einfach in ein Büro in seiner Stadt, schließt dort sein Notebook an und kann von da arbeiten. Technisch ist das alles kein Problem. Ich könnte unzählige weitere Beispiele nennen, aber das würde hier vermutlich den Rahmen sprengen.

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Die Interviews mit den anderen Working Dads findest du hier.

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