Working Dads #5 – Sascha aus Osnabrück

Sascha ist 32 Jahre alt, Vater einer Tochter und hat kürzlich seine langjährige Freundin geheiratet. Glückwunsch! Sascha merkt, dass zwei Vollzeit-Jobs schwierig unter einen Hut zu bringen sind und wird deshalb bald Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit zum Paw Patrol spielen zu haben. Über die Situation von Sascha und seiner Familie lest ihr hier.

Vielen Dank an Sascha für die Beantwortung der Fragen!


Allgemein

Erzähl mir doch kurz etwas über Dich (wer bist Du, wie alt bist Du, wo bist Du aufgewachsen, wie sieht Deine Familie aus? Etc.)

Mein Name ist Sascha. Ich bin 32 Jahre alt, in Osnabrück geboren und habe den Großteil meiner Kindheit in Bramsche verbracht. Nun lebe ich seit bald 5 Jahren wieder in Osnabrück. Ich bin Vater einer 4 ½ Jährigen Tochter und werde meine Verlobte Ende April diesen Jahres heiraten.

Wir haben die ersten 3 Lebensjahre unserer Tochter damit verbracht, meine Frau durch ein Zahnmedizin-Studium zu bringen, nebenbei immer für unsere Kleine da sein zu wollen und ich als Alleinverdiener habe versucht, uns entsprechend zu ernähren.

Ein ziemlicher Spagat, und gerade für meine Frau die jeden Tag zwischen Osnabrück und Hannover pendeln musste, keine einfache Sache. Wir konnten es aber doch recht gut managen, auch dank der Hilfe unserer Familie.

Foto_Sascha
Sascha mit seiner Tochter

Betreuungssituation

Bist Du Alleinerziehend? Lebst du mit der Mutter Deiner Kinder zusammen? Wie teilt Ihr Euch die Betreuung auf?

Ich lebe glücklich mit der Mutter meines Kindes zusammen, wie bereits oben beschrieben, werden wir Ende April endlich nach 11 Jahren Beziehung heiraten.

Aktuell bringt meine Verlobte unsere Tochter morgens in den Kindergarten. Sobald ich Feierabend habe, hole ich sie dann von den Großeltern ab und bereite zumeist abends das Essen vor, bevor meine Verlobte ebenfalls Feierabend hat. Mittwochs und freitags arbeitet sie nur bis Mittag, so dass unsere Tochter an diesen Tagen den Nachmittag nicht bei den Großeltern verbringen muss.

Warum habt Ihr Euch für dieses Modell entschieden?

Aktuell ist es so am einfachsten. Meine Verlobte arbeitet als Zahnärztin, und hat entsprechend in der Mittagspause kurz Zeit, in der sie sich um unsere Tochter kümmern kann, sie vom Kindergarten abholt und sie dann nachmittags zu den Großeltern bringt, bevor sie Nachmittags noch einmal arbeiten geht und ich unsere Tochter von dort gegen 17.30 Uhr wieder abholen kann.

Habt Ihr/hast Du Unterstützung (Babysitter, erweiterte Familie, etc.)? Wenn ja, welche?

Wir können unsere Tochter bei den Eltern meiner Verlobten für einige Stunden nachmittags abgeben, während sich unsere gemeinsamen Arbeitszeiten überschneiden.

Sobald ich dann um 17.30 Uhr Feierabend habe, kann ich sie von dort abholen.

Auch am Wochenende oder in bestimmten Situationen kann sie jeder Zeit zu ihren Großeltern, egal ob väter- oder mütterlicherseits.

Beruf

Hast Du einen Job? In welchem Beruf arbeitest Du? Wie sind die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Schichten, Anfahrt, etc.)?

Ich arbeite als Speditionskaufmann in einem Logistikunternehmen. Stressfreie Arbeit schaut anders aus. Aber irgendwer muss ja dafür sorgen, dass die Lebensmittelregale im Supermarkt voll sind. Auch wenn ich in der Frankreich-Abteilung aktiv bin, und somit eher den Nachbarn die Regale fülle 😉

Die Arbeitszeiten sind von 8 bis 17 Uhr, Anfahrtsweg ca 20 bis 25 Minuten. Somit bin ich von 7.35 Uhr morgens bis 17.25 Uhr abends außer Haus. Es gibt keine Schichtzeiten, keine Gleitzeit o.ä. – stehen aber wichtige Termine an, ist es zumeist kein Problem, etwas eher zu gehen.

Kannst Du Arbeits- und Familienleben gut miteinander vereinbaren bzw. bist Du mit der Situation zufrieden?

Die Vereinbarkeit ist aktuell nicht einfach, eben weil wir beide Elternteile Vollzeit-Verdiener sind. So haben wir ständig das Gefühl, das unsere Tochter „auf der Strecke bleibt“.

Dies wollen wir ab August, nach unserer Hochzeit, ändern, in dem ich meine Arbeitsstunden verkürze.

Zwar kann ich bei meiner Arbeit bei wichtigen Terminen für unsere Tochter auch mal ein oder zwei Stunden eher gehen, dennoch ist dies natürlich auf Dauer nicht immer gerne gesehen.

Was müsste sich an Deinem Job ändern, damit Du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen kannst?

In erster Linie ist die Arbeitszeit sicherlich schwierig. Ich bin gut 10 Stunden außer Haus bei einem normalen 8 Stunden Arbeitstag. Das liegt einerseits an gut einer Stunde Hin- und Rückfahrt, sowie auch an der einen Stunde Mittagspause.

Da wäre mir persönlich eine halbe Stunde Mittagspause lieber, um wenigstens bereits um 17 Uhr wieder zu Hause zu sein.

Immerhin hat man letztes Jahr im August die Arbeitszeit minimal geändert. Bis dato hatten wir noch 1 ½ Stunden Mittagspause und erst um 17.30 Uhr Feierabend.

Oder eben andere Arbeitszeiten, wie zum Beispiel eine Stunde eher beginnen, oder Schichtzeiten, wie mein Vater sie damals hatte. Er war zwar alle 2 Wochen nachmittags nicht da, war dafür aber alle 2 Wochen nachmittags zu Hause.

Jedoch werden wir ab August, wie bereits erwähnt, meine Arbeitszeit + Stundenanzahl verringern.

Was kann nach Deiner Meinung Dein Arbeitgeber dafür tun, dass du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Ich bin hierbei bereits in Verhandlungen mit meinem Arbeitgeber. Und diese sind auf bestem Wege. Der Plan ist, dass ich dann bereits um 7 Uhr morgens beginne und um 13 Uhr Feierabend mache. So arbeite ich nur noch 6 Stunden am Tag, und bin nachmittags komplett für unsere Tochter da, damit sie nachmittags nicht mehr bei den Großeltern ist. Dies entlastet nicht nur die Großeltern, sie hat dann auch immer einen festen Elternteil zu Hause.

Mittwochs und freitags nachmittags sind wir dann BEIDE für sie da – und nicht mehr immer nur meine Verlobte.

Was könntest Du/was könntet Ihr selbst tun, damit du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Wie bereits gesagt, ich werde meine Arbeitszeiten ändern / Stunden verkürzen.

Was hält Dich/Euch davon ab, das zu tun?

Bisher hat uns unsere Situation davon abgehalten. Der Plan war damals, dass meine Verlobte ihr Zahnmedizin-Studium beendet, wir dann heiraten und danach die Kinderplanung angehen. Jedoch ist sie vorher schwanger geworden, so dass wir Studium und Kind-Groß-ziehen parallel laufen lassen mussten seit 2015. Die letzten 3 Jahre war dies entsprechend noch schwerer, als jetzt schon. Da war sie noch weniger zu Hause, und ich war quasi „alleinerziehend“. Auch an den Wochenenden, wenn sie für ihre Prüfungen lernen musste. Seit letztem Jahr ist sie fertig, und wir arbeiten nun beide als Vollverdiener, um unsere Hochzeit finanzieren zu können.

Ab August werde ich meine Stundenanzahl verringern, sie kann weiterhin in ihrem Job Vollzeit arbeiten, und so werden wir BEIDE mehr Zeit für unsere Tochter haben, als jetzt.

Dann kommt zwar etwas weniger Geld in das Budget, aber das ist bekanntlich nicht alles und macht keine Familie glücklich.

Letzte Worte

Welche weiteren Gedanken zum Thema hast Du?

Das Thema ist ein recht schwieriges. Ich finde es z.B. Schade, dass vor allem die Mütter hauptsächlich ihre Stunden verringern, um für die Kinder da zu sein. Das ist etwas, was auch die Väter bewerkstelligen können, wenn sie nur wollen. Leider ist hier aber auch einfach noch das alte Denken von wegen „Frau an den Herd“ etc. noch zu sehr in den Köpfen. Bekomme ich ja momentan auf der Arbeit auch gut mit, wo es teils immer einen Spruch gibt, dass ICH die Stunden verringern will und nicht SIE. Oder wenn ich bei Kind-Krankheit zu Hause bleibe, anstatt meine Frau.

Es ist aber auch eine finanzielle Sache. Solange Frauen nicht das gleiche verdienen wie Männer, MÜSSEN viele Familien auch auf das Finanzielle achten. Entsprechend sind diese Paare dann schon fast dazu gezwungen, dass die Frau weniger arbeitet als der Mann.

Eine Frage, die sich bei uns nicht stellt, da meine Verlobte nun in der Assistenzzeit bereits mehr verdient, als ich als Vollbeschäftigter und sie später selbstständig sein wird.

Davon einmal abgesehen, ist es aber auch schwer immer für den Nachwuchs da zu sein. Ist dieser krank, stellt sich die Frage, wer zu Hause bleibt? Warum gibt es dafür wiederum nur 10 Tage Kind-krank PRO Elternteil von der Krankenkasse. In meinen Augen viel zu wenig. Dazu wird man auf der Arbeit dann auch noch entnervt angeschaut, wenn irgendetwas mit dem Nachwuchs ist etc.

„Wieso ist eure Tochter denn schon wieder krank? Was macht ihr ständig mit ihr?“

Man fühlt sich beinahe schon schuldig, wenn man für den Nachwuchs da sein will, fast schon als schlechter Mensch. Dabei sollte das Familiäre doch immer absolute Priorität haben. Es gibt so viel Wichtigeres als den Job. Denn dort wird mir im Leben nicht so viel Dankbarkeit entgegengebracht, wie zu Hause, wenn ich mit dem Nachwuchs Zeit verbringe, Blödsinn mache oder einfach nur für meine Tochter da bin 😉

Überhaupt macht mir Paw Patrol spielen viel mehr Spaß, als irgendwelche Kunden zufrieden zu stellen!

Danke an Sascha für die Beantwortung der Fragen. Alle weiteren Interviews aus der Reihe findet ihr hier.

Habt ein gutes Wochenende,

Euer Falk

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