Working Dads #6 – Marc aus Koblenz

Marc ist 38 Jahre alt, lebt in der Nähe von Koblenz und hat zwei Kinder. Bei beiden Kindern hat er ein Jahr Elternzeit genommen, nach der Elternzeit wird er in Teilzeit in seinen Beruf zurückkehren. Marc hat spannende Ansichten zum Thema Vereinbarkeit und ich bin sehr froh, dass er seine Sicht auf Väter und Vereinbarkeit mit uns teilt!

Mehr über Marc findet ihr in diesem Artikel oder auf seinem Instagram-Kanal.

Viel Spaß mit dem Interview!

Allgemein

Erzähl mir doch kurz etwas über Dich (wer bist Du, wie alt bist Du, wo bist Du aufgewachsen, wie sieht Deine Familie aus? Etc.)

Ich heiße Marc und bin 38 Jahre alt. Zusammen mit meiner Frau und meinen beiden Kindern (ein Junge – 3 Jahre und ein Mädchen – 11 Monate) wohne ich derzeit in der Nähe von Koblenz. Bereits für unseren Sohn hatte ich von seiner Geburt an 12 Monate Elternzeit genommen. Seit unsere Tochter auf der Welt ist, befinde ich mich erneut in Elternzeit – wiederum für 1 Jahr.

Foto_Marc

Betreuungssituation

Bist Du Alleinerziehend? Lebst du mit der Mutter Deiner Kinder zusammen? Wie teilt Ihr Euch die Betreuung auf?

Meine Frau und ich sind seit gut 14 Jahren ein Paar, seit Juni 2017 sind wir verheiratet. Seit jeher „schmeißen“ wir den Haushalt zusammen. Um die Betreuung der Kinder kümmern wir uns ebenfalls gemeinsam. In meiner ersten Elternzeit arbeitete meine Frau kurze Zeit nach ihrem Mutterschutz noch nahezu Vollzeit, während ich unser Kind behütete. Allerdings hatten wir aufgrund ihrer Selbständigkeit trotzdem recht viel gemeinsame Zeit mit unserem Sohn. In meiner aktuellen Elternzeit arbeiten meine Frau und ich sozusagen 50/50. Dadurch habe auch ich die Möglichkeit, das ein oder andere nebenberufliche wie private Herzensprojekt angehen zu können. Wenn meine Elternzeit vorbei ist und ich vorerst wieder in meinen Job als Personaler zurückkehren werde, werde ich zunächst für 12 Monate in Teilzeit (25 Stunden pro Woche) arbeiten. Wie es anschließend weitergehen wird, wissen wir noch nicht.

Wie teilt Ihr euch den „Mental Load“? Wie ist deine Einschätzung und wie ist die Einschätzung deiner Frau dazu?

Ich würde sagen 60/40 „für“ meine Frau. Die Antwort meiner Frau ist ebenfalls 60/40 (ehrlich jetzt!). Aber es könnte ihrer Meinung nach hier und da auch mal zwei bis drei Prozentpunkte mehr zu „ihren Gunsten“ ausgehen.

Warum habt Ihr Euch für dieses Modell entschieden?

Meine Frau und ich wollen beide die Kinder aufwachsen sehen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Ebenso ist es uns beiden wichtig, in gewissem Maße weiterhin beruflich tätig sein zu können. Dass der Haushalt „gemeinsame Sache“ ist, war für uns eigentlich schon immer selbstverständlich. Daher haben wir für uns ein Familienmodell gewählt, mit dem sich die Kinderbetreuung, der Job und der Haushalt gleichberechtigt und -verantwortlich aufteilen lassen.

Habt Ihr/hast Du Unterstützung (Babysitter, erweiterte Familie, etc.)? Wenn ja, welche?

Wir haben das Glück, dass unsere Eltern und Schwiegereltern ganz in der Nähe wohnen und sie sowohl die Zeit als auch die Muße haben, sich hin und wieder um unsere Kinder zu kümmern. So kann ich bspw. wochentags über mal mit beiden Kindern zu den Großeltern fahren, während meine Frau ihrer Arbeit nachgeht – oder umgekehrt. Unser Großer verbringt auch gerne schon mal einen Tag am Wochenende bei den Großeltern – mal mit, mal ohne Übernachtung und Frühstück. Unsere Großeltern (in der Nähe) zu haben, ist ein echtes Glück – für alle Beteiligten.

Beruf

Hast Du einen Job? In welchem Beruf arbeitest Du? Wie sind die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Schichten, Anfahrt, etc.)?

Ich bin als Personalreferent bei einem großen Automobilzulieferer beschäftigt. Ich fahre etwa gute 20 Minuten bis zur Arbeitsstelle. Es gibt Gleitzeit und (theoretisch) Homeoffice – Letzteres wird individuell pro Abteilung unterschiedlich gehandhabt. Neben einem tariflichen Urlaubsanspruch gibt es in einem bestimmten Umfang sogenannte Gleittage, um etwaig angefallene Überstunden abbauen zu können. Anfangs habe ich Vollzeit (40 Stunden pro Woche) gearbeitet. Für drei Monate vor sowie für 12 Monate nach meiner zweiten Elternzeit für unsere Tochter, habe ich Teilzeit (25 Stunden pro Woche) beantragt und nach längeren Diskussionen auch bewilligt bekommen. Teilzeit wird seitens der Unternehmensführung nicht so gerne gesehen. Insgesamt könnten die Rahmenbedingungen schlechter sein. Aber es ist auch noch deutlich Luft nach oben, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft.

Kannst Du Arbeits- und Familienleben gut miteinander vereinbaren bzw. bist Du mit der Situation zufrieden?

Jein. Der Plan zusammen mit meiner Frau war eigentlich der, dass ich nach meiner ersten Elternzeit nicht mehr in Vollzeit, sondern in Teilzeit (25 Stunden pro Woche) weiterarbeite. Leider jedoch war dies in dem Unternehmen, in dem ich arbeite, nicht durchzukriegen. Das bedeutete für meine Frau, dass sie ihre Selbständigkeit zunächst lediglich auf Sparflamme weiterführen konnte. Mir blieb lediglich die durch den Tarifvertrag allgemein gegebene Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden zu reduzieren – ohne Anpassung des Arbeitsvolumens, versteht sich. Die Arbeit im Büro wurde dadurch natürlich noch stressiger, aber so hatte ich zumindest ein bisschen mehr Zeit für die Familie. Ich musste lernen, täglich (einigermaßen) pünktlich den „Hammer fallen zu lassen“, auch wenn noch so viele unbeantwortete E-Mails in meinem Postfach warteten, für deren Beantwortung womöglich fünf Überstunden täglich noch nicht ausgereicht hätten. Das war sozusagen, neben meinem eigentlichen Arbeitsvertrag mit meinem Arbeitgeber, mein innerer Arbeitsvertrag, den ich mit mir selbst geschlossen hatte. Für das erste Jahr nach meiner zweiten Elternzeit, in der ich mich aktuell befinde, habe ich erneut meinen Teilzeitantrag gestellt. Nach wiederholt langwierigen Diskussionen mit meinem Arbeitgeber, wurde mir dieser jedoch letztlich genehmigt. Sonst hätte ich mich womöglich dazu entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Durch meine Teilzeitbeschäftigung können meine Frau und ich zunächst auch nach meiner zweiten Elternzeit an unserem Familienmodell festhalten. Was danach sein wird, wird man sehen…

Was müsste sich an Deinem Job ändern, damit Du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen kannst?

Die Rahmenbedingungen könnten wie gesagt schlechter sein. Ich kann in der Regel relativ pünktlich Arbeitsschluss machen und habe keinen allzu langen Nachhauseweg. Flexible Teilzeitmodelle, ein Wegfall der Kernarbeitszeit, hin zu einer echten Vertrauensarbeitszeit oder eine Ausweitung bzw. flexiblere Gestaltung des Homeoffice, könnten sicherlich zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen.

Was kann nach Deiner Meinung Dein Arbeitgeber dafür tun, dass du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Ich glaube, dass nicht nur bei meinem, sondern auch bei vielen anderen Arbeitgebern ein generelles Umdenken stattfinden muss. Die folgenden Generationen werden noch mehr Erwartungen an die Unternehmen stellen, um Familie und Beruf gut vereinbaren zu können, als es meine Generation bereits tut. Immer mehr Väter nehmen Elternzeit und möchten sich der Betreuung der Kinder widmen. Insgesamt ist den jungen Menschen immer wichtiger, eine gesunde Work-Life-Balance herzustellen, wohingegen bspw. die Höhe des Gehaltes an Bedeutung verliert. Dieser Trend wird zunehmen. Aufgrund dieses gesellschaftlichen Wandels und des sich weiter verschärfenden Fachkräftemangels, tun Unternehmen gut daran, ihre Philosophie zu überdenken, um jene Fachkräfte anzuwerben und auch langfristig an sich zu binden.

Was könntest Du/was könntet Ihr selbst tun, damit du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Ich könnte mich bspw. selbständig machen, um selbstbestimmter arbeiten und somit bestenfalls mehr Zeit für die Familie haben zu können. Wenn dies (noch) nicht möglich ist, kann ich mich gegenüber meinem Arbeitgeber nur so gut wie es geht für meine (familiären) Interessen einsetzen. Wenn ich diese nicht durchsetzen kann, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, mich bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben, bei dem die Arbeits- und Rahmenbedingungen familienfreundlicher gestaltet sind.

Was hält Dich/Euch davon ab, das zu tun?

Ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken, mich selbständig zu machen. Noch arbeite ich an meiner Vision und weiß daher noch nicht, wo genau die Reise hin gehen wird. Um das herauszufinden, möchte ich die verbleibende Elternzeit als auch meine anschließende Teilzeittätigkeit nutzen.

Letzte Worte

Welche weiteren Gedanken zum Thema hast Du?

Ich kann nur jedem Papa empfehlen, Elternzeit zu nehmen. Es ist eine sehr schöne und bereichernde Zeit. Ich wünsche mir, dass sich in ein paar Jahren die Anzahl der Väter, die Elternzeit nehmen noch deutlich erhöht und dass es sich dadurch nicht mehr automatisch am Geschlecht festmachen lässt, wer für die Kinderbetreuung „zuständig“ ist. Aber, wenn ich die gesellschaftliche Entwicklung in der Presse und auch die vielen Papas in den sozialen Medien sehe, die sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern und immer mehr Zeit für das gemeinsame Familienleben investieren, so bin ich da guter Dinge.

 

Alle weiteren Beiträge zur Reihe „Working Dads – Väter und Vereinbarkeit“ findet ihr hier.

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