Working Dads #7 – Heiner aus Krefeld

Heiner ist 35 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. In den letzten Jahren ging es Schlag auf Schlag: Heiraten, Kind 1, Kind 2. Nun hat Heiner viel Zeit für seine Familie, denn er hat noch mehr als zwei Jahre Elternzeit. Danke für die spannenden Einblicke in Euer Familienleben!

Mehr über Heiner erfahrt ihr auf seiner Webseite oder auf seinem Instagram-Kanal.

Viel Spaß mit dem Interview!

Allgemein

Erzähl mir doch kurz etwas über Dich (wer bist Du, wie alt bist Du, wo bist Du aufgewachsen, wie sieht Deine Familie aus? Etc.)

Ich bin Heiner, 35 Jahre alt und komme gebürtig aus dem Münsterland. Weil ich mich dort in einem 4.000 Seelen Dorf nicht wohl gefühlt habe, zog es mich nach meiner Ausbildung nach Hamburg. Einige Jahre später bin ich für’s Studium nach Kiel gezogen und von dort nach Duisburg. Dort habe ich meine jetzige Frau kennen und lieben gelernt. 2016 kam unsere Tochter zur Welt und 2018 unser Sohn. Jetzt wohnen wir in Krefeld in der Nähe der Großeltern. Wir leben vegetarisch, begleiten unsere Kinder Bindungsorientiert und reisen sehr gerne mit unserem T4 VW Bus namens Fiete. Ich habe noch drei Geschwister und wollte immer eine Großfamilie haben. Meine Frau hat nur einen Bruder und kann sich das gar nicht vorstellen.

Foto_Heiner
Heiner mit seinen beiden Kindern

Von mir selber sage ich, dass ich hochsensibel bin. Diese Charaktereigenschaft bedeutet, dass ich Sinneseindrücke ungefiltert und stark wahrnehme. Egal ob Lautstärke, Gerüche, Wärme oder Kälte. Anders als Normalsensible kann ich meine Aufmerksamkeit nicht so gut auf Geräusche fokussieren oder gar ausblenden. Entsprechend schnell ist mein Akku am Abend leer und braucht auch länger, wieder aufzuladen. Hochsensibel bedeutet aber noch so viel mehr, was ich gerne in meinem Blog verblogge. Wenn dich das interessiert, schau mal vorbei. Das würde hier den Rahmen sprengen!

Betreuungssituation

Bist Du Alleinerziehend? Lebst du mit der Mutter Deiner Kinder zusammen? Wie teilt Ihr Euch die Betreuung auf?

Corinna und ich haben 2015 geheiratet. Nein, wir mussten nicht heiraten, wollten aber für unsere Familie als Einheit mit einem Namen auftreten (außerdem hatte ich keinen Bock auf die vielen Formulare für die Anerkennung der Vaterschaft). Der wichtigste Grund aber ist immer noch die Liebe zu meiner Frau. Wir arbeiten beide in Teilzeit und begleiten gleichberechtigt unsere Kinder. Nicht ganz, denn sie arbeitet 30 Stunden pro Woche und ich 20 Stunden. Hin uns wieder muss Corinna für 2-3 Stunden am Wochenende arbeiten. Das ist die Situation vor meiner Elternzeit. Denn bin ich noch bis 09/2021 zu Hause und begleite K1 und K2 als Papa und Hausmann im Alltag. K1 ist jetzt 3,5 Jahre alt und K2 wird im September 1 Jahr alt.

Warum habt Ihr Euch für dieses Modell entschieden?

Schon als Teenager wusste ich, dass wenn ich Kinder bekomme, ich zu Hause sein möchte. Meine Schwester hat immer gesagt, dass wenn ich so gerne mit Kindern zusammen sein möchte, ich Kindergärtner werden solle. Für meine Frau war das noch nicht so klar, sie hatte nie wirklich Kinder um sich.  Auf dem Dorf ist das anders. Bei Familientreffen waren wir immer weit über 100 Personen. Bei 35 Cousinen und Cousins habe ich aufgehört zu zählen.

Weil wir Bedürfnissen immer Raum geben wollen, und die Begleitung von meinen Kindern mir und uns ein großes Bedürfnis ist, haben wir uns auf dieses Modell geeinigt. Es hat noch ein paar Jahre gedauert, ehe wir es uns so eingerichtet haben, wie es jetzt ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir beide Pädagogen sind (Corinna arbeitet als Rehabilitationspädagogin und ich als Sozialarbeiter). Wir machen uns nichts aus Geld oder Karriere. Wir haben keine Kredite, die wir bedienen müssen. Wir leben auf schmalem Fuß, kaufen vieles gebraucht. Ich glaube, die Einstellung ist einfach gereift und wir hatten Glück, uns zu finden.

Habt Ihr/hast Du Unterstützung (Babysitter, erweiterte Familie, etc.)? Wenn ja, welche?

Dienstags ist Omi-Tag und mittwochs ist Opi-Tag. Corinnas Eltern sind in Rente und noch richtig fit. Hin und wieder übernachtet K1 bei den Großeltern. Das kann spontan sein oder geplant, von den Großeltern kommen oder von K1. Die beiden sind uns eine große Stütze und immer, wenn sie für mehrere Wochen verreisen merken wir, dass es ziemlich stressig sein kann. K1 vermisst außerdem die Großeltern dann sehr, was es nicht einfacher macht. Wir sind sehr froh, einander zu haben. So haben wir auch ausreichend Paarzeit.

Beruf

Hast Du einen Job? In welchem Beruf arbeitest Du? Wie sind die Rahmenbedingungen (Arbeitszeiten, Schichten, Anfahrt, etc.)?

Zurzeit bin ich noch bis September 2021 in Elternzeit. Eigentlich wollte ich nur bis Januar 2020 zu Hause bleiben, aber weil unsere Betreuungssituation sehr stressig geworden wäre, haben wir uns zusammengesetzt und mit spitzem Bleistift gerechnet. Schaffen wir es auch mit einem 75%-Gehalt über die Runden? Weil wir sogar Geld zurücklegen können, habe ich dann einen Antrag auf Verlängerung gestellt, der innerhalb einer Woche genehmigt wurde – Jackpot!

Aber die Frage ist ja, was ich so mache, wenn ich nicht in Elternzeit bin. Also ich arbeite als Sozialarbeiter in einem Akutkrankenhaus der Maximalversorgung. Dort bin ich in drei onkologischen Zentren zuständig für Patienten mit Krebsdiagnosen. Glücklicherweise habe ich Gleitzeit, sodass ich spätestens um 11.30 Uhr den Stift fallen lassen kann und die Übergabe mit meiner Frau mache. Sie arbeitet auch im Klinikum und bringt die Kinder mit. Anschließend gehe ich mit den Kids nach Hause und verbringe den Tag mit ihnen. Da wir nur 5 Minuten zu Fuß entfernt wohnen, kann die Übergabe auch zu Hause stattfinden.

Kannst Du Arbeits- und Familienleben gut miteinander vereinbaren bzw. bist Du mit der Situation zufrieden?

Wir sind mega zufrieden mit der Situation und haben sie uns ganz bewusst so aufgebaut. Vor ein paar Jahren habe ich noch einen 40 Stunden Job als Bildungsreferent in einem Sportverband gehabt. Dort musste ich viel am Wochenende und abends arbeiten. Weil ich da viel lieber zu Hause bei meiner Familie sein wollte und mein Arbeitgeber mir keinen Teilzeit-Job anbieten konnte, habe ich gekündigt. Der neue Job gefällt mir viel besser, weil ich im Klinikum feste Arbeitszeiten habe und keine Schichten oder am Wochenende arbeiten muss.

Was müsste sich an Deinem Job ändern, damit Du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen kannst?

Meine Situation ist glücklicherweise so gut, dass ich nichts ändern würde! Die letzten vier Jahre haben wir daran gearbeitet, es genauso zu haben, wie es jetzt ist. Wir haben unser Auto verkauft und sind in die Nähe des Klinikums gezogen sind. Hier im Viertel erledigen wir alles zu Fuß, was mich sehr entschleunigt hat. Die Kündigung bei dem alten Arbeitgeber war die beste Entscheidung, die ich in den letzten Berufsjahren gemacht habe. Seitdem habe ich so viel Qualitätszeit mit meiner Familie und kann sogar die Beziehung zu meiner Frau viel intensiver leben!

Was kann nach Deiner Meinung Dein Arbeitgeber dafür tun, dass du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Auf jeden Fall weniger Arbeitszeit bei gleichem Gehalt anordnen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Teilzeitkräfte viel effizienter arbeiten, als Vollzeitkräfte. Zusätzlich sollte der Fokus vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement mehr auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegen. Klar wird es immer Jobs geben, in denen das nicht möglich ist (Polizei, Feuerwehr, Krankenhaus,…), aber da wo es möglich ist, sollte es umgesetzt werden. Vor 15 Jahren hat mich mein damaliger Chef mit großen Augen angeguckt, als ich ihm vorgeschlagen habe, HomeOffice zu machen. Schließlich sitzen wir doch eh alle am PC und sind ans Internet angeschlossen. So langsam kommt das bei den Chefs an.

Was könntest Du/was könntet Ihr selbst tun, damit du mehr Zeit mit deiner Familie hast?

Auf jeden Fall miteinander in Kontakt bleiben und Reden. Corinna und ich reden jeden Tag mindestens eine halbe Stunde über den Tag und planen den nächsten Tag. Was lief gut, was wollen wir anders machen, was hat uns gestresst und was kommt morgen auf uns zu. Natürlich sprechen wir auch über schöne Dinge. Aber das ist schon mal das A und O! Dann noch den Kontakt zu mir selber. Den zu behalten, die Balance oder die innere Mitte, das ist verdammt schwer bei zwei kleinen Wirbelwinden. Auch hier hilft viel reden und gegenseitiges Verständnis zeigen. Schulz von Thun und sein 4 Ohren Modell tauchen immer dann auf, wenn eine Sachliche Information beim Gegenüber als Appell verstanden wird. Dann lösen wir das direkt. Hilft tatsächlich.

Aber hier wird auch gestritten! Ich würde lügen, wenn es anders wäre. Die Zeiten, in denen ich nachtragend war, sind aber zum Glück vorbei. Ich will eine schöne Zeit mit meiner Familie verbringen und Spaß haben. Die Zeit ist so kostbar und kurz, da dürfen dunkle Wolken und schlechte Stimmung nicht die Oberhand haben!

Was hält Dich/Euch davon ab, das zu tun?

Ehrlich gesagt nichts, die Gründe habe ich oben bereits genannt. Sollten wir doch feststellen, dass wir zum Beispiel wenig Zeit füreinander haben, ändern wir das. Zum Beispiel waren wir in unserer beider Elternzeit wieder auf Elternzeitreise. Wir hatten mehr als 10 Wochen Zeit und das Ziel sollte Slowenien sein. Mit zwei Kindern und unserem VW Bus haben wir lange geplant, die Vorfreude war riesig. Als wir dann nach 4 Wochen in Frankreich am Mittelmeer waren bekam unsere Große so derbe Heimweh, dass wir umkehrten. Ihr Körper reagierte mit Fieber, Bauchschmerzen und das ganze Programm. Für uns war das eine Entscheidung für die Familie. Wir sind nur dann glücklich, wenn es uns allen gut geht. Die Entscheidung war genau richtig und wir bereuen sie kein Stück!

Letzte Worte 

Welche weiteren Gedanken zum Thema hast Du?

Liebe Väter, es lohnt sich auf die inneren Glaubenssätze zu schauen. Muss ich hier wirklich so viel arbeiten, um meine Familie zu ernähren? Darf ich nicht auch Arbeitszeit reduzieren und mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen? Ja, du darfst und du sollst es auch. Habe den Mut in diese Richtung zu denken und fühle dich wohl. Denn wenn deine Kinder einen glücklichen Papa haben, hast du auch glückliche Kinder!

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