Über Vereinbarkeit – wie kommen wir an die Väter ran?

Gestern Abend war ich auf einer Veranstaltung in Berlin, auf der über Vereinbarkeit gesprochen wurde. Luisa Hanke möchte mit ihrem Vereinbarkeitslab Eltern bestärken, familienfreundliche Karrieren fördern und die Arbeitswelt menschlicher machen. Das Thema gestern war: „Kind und Karriere? Wie können wir familienfreundliche Karrierewege gestalten?“

Im Gegensatz zu vielen anderen Panels gab es eine rein weibliche Runde. Gesprochen haben:

  • Madeleine Falk – leitet als Führungskraft mehrere Teams in einer großen internationalen Digitalagentur und schreibt für MummyMag.
  • Anne Dittmann – arbeitet als freischaffende Journalistin, Autorin und Lektorin. Sie schreibt über selbstbestimmte Elternschaft und über neue Lebenskonzepte
  • Katja Schumacher – berät Eltern und Unternehmen als Trainerin und Coach für erfolgreiche Rückkehr- und Karrierestrategien nach der Elternzeit
  • Sandra Runge – Fachanwältin für Arbeitsrecht. Sie berät Eltern und Unternehmen u.a. zu den Themen Elternzeit, Elterngeld und Wiedereinstieg. Darüber schreibt sie auch auf dem Smartmama-Blog. Außerdem betreibt sie mehrere Kitas in Berlin mit angeschlossenem Co-Working-Space.

Klassisch war die Publikumsverteilung. Wie so oft bei Elternthemen, lag der Männeranteil bei etwa 10%. Keine Ahnung, wie wir es schaffen, hier mehr Männer aka Väter zu begeistern.

Der Abend selbst war vor allem aus Sicht von werdenden Müttern und Eltern, die aktuell in Elternzeit sind, erhellend. Es gab viele Tips zur rechtlichen Situation, zum Prozess des Wiedereinstiegs aus Arbeitnehmersicht und viele Anmerkungen dazu, was Eltern brauchen, damit Beruf und Familie vereinbar sein können. Wichtigste Aussage des Abends von der Bühne für mich:

Sprecht mit Euren Vorgesetzten über den Wiedereinstieg! Entwickelt Ideen und Pläne! Sprecht an, was ihr braucht! Arbeitgeber sind offen für Ideen, müssen diese aber kennen.

Als Freiberufler kann ich aktuell wenige Tips aus Arbeitgeber- oder -nehmersicht geben und deshalb das Thema nicht besonders aufhellen. Geschrieben habe ich letztes Jahr trotzdem darüber, was Arbeitgeber aus meiner Sicht tun können.

In der allgemeinen Diskussionsrunde kamen dann noch die Themen auf, die für mich die größte Relevanz für Vereinbarkeit haben:

Erstens – miteinander sprechen

Mein Tip bleibt: sprecht als Paar miteinander, am besten bevor ihr Kinder bekommt. Niemand weiß, wie sich das später exakt anfühlen wird, welche Probleme es geben wird und wo die größten Fallstricke für Euch sind.

Aber sich einig zu sein darüber, in welcher Aufteilung man die ersten Jahre angehen will, wer Karriere macht, wer sich um die Kinder kümmert – und wann man das noch mal reflektieren und vielleicht anpassen will – darüber sollte man gesprochen haben.

Und das besprochene dann auch einhalten.

Zweitens – einen Schritt zurück treten

Männer – tretet einen Schritt zurück. Eure Arbeit ist nicht das wichtigste auf der Welt. Nehmt Elternzeit mit Eurem Kind/euren Kindern. Allein. Danach seid ihr bessere Väter und wirklich gleichberechtigte Partner.

Indem ihr mehr Verantwortung in Familien übernehmt und aktiver in Carearbeit einsteigt, öffnet Ihr Räume für Eure Frauen. Das ist wertvoller als viele explizite Förderungsmaßnahmen.

Um Feminist zu sein, muss man nicht zu Demos für Frauenrechte gehen. Ihr tut mehr für den Feminismus, wenn ihr Carearbeit übernehmt und zuhause den Laden am Laufen haltet, während Eure Frau selbst auf der Demo für Ihre Rechte eintritt.

Demo für Frauenrechte kann in diesem Beispiel beliebig ersetzt werden (Gender Paygap, Karriere, usw.).

Drittens – die Blase durchbrechen

Wichtigster Punkt für mich bleibt: Wie erreicht man die Menschen außerhalb der Blase? Alle Väter, die gestern in der Runde saßen, mussten nicht überzeugt werden.

Wie können wir Väter erreichen, die heute nicht groß über Carearbeit nachdenken, wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen und vielleicht einfach mal einen Anstoß brauchen.

Habt ihr hier eine Idee? Wie kann man werdende Väter für das Thema sensibilisieren? Soll ich mich vor die Geburtsstationen stellen und alle Männer anschreien? Kann man Standesämter verpflichten, zur Geburtsurkunde gleich noch den Mental Load-Artikel von Patricia Cammarata mit auszudrucken? Oder ist das alles schon wieder zu viel Druck und irgendwann werden die Männern schon von selbst drauf kommen?

Ich bin ratlos.

Euer Falk

PS: Kleine Stilkritik der Nachbetrachtung: Bitte schreibt nicht mehr über Powerfrauen. Kein Panel, welches mit Männern besetzt wird, wird als Quartett von Powermännern bezeichnet. Marie von LittleYears hat schon vor drei Jahren alles wichtige dazu gesagt.

 

Working Dads #5 – Sascha aus Osnabrück

Sascha ist 32 Jahre alt, Vater einer Tochter und hat kürzlich seine langjährige Freundin geheiratet. Glückwunsch! Sascha merkt, dass zwei Vollzeit-Jobs schwierig unter einen Hut zu bringen sind und wird deshalb bald Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit zum Paw Patrol spielen zu haben. Über die Situation von Sascha und seiner Familie lest ihr hier.

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Papamachtsachen unterwegs auf anderen Kanälen

Bevor die Reihe „Väter und Vereinbarkeit“ gestartet ist, bin ich ein bisschen fremd gegangen. In den letzten Wochen war ich oft auf anderen Kanälen unterwegs. Hier fasse ich das mal zusammen, so dass ihr Bescheid wisst, wo ich mich sonst so rum treibe –  Thema war meist „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.

Podcasts

Mein Einstieg ins Thema Podcast war das Interview mit Ingo vom Podcast „Denken hilft“. Wir unterhalten uns von Papa zu Papa über Themen, die uns beschäftigen, z.B. den Unterschied von Trotzphase und Pubertät.

Mit den Sonntagsmuttis habe ich mich vor einer Weile zusammengeschaltet. Wir sprechen über Vereinbarkeit hier und in Schweden, über das Loslassen und Hilfe suchen, über Elternzeit ohne Mutti, aber auch darüber, was der Preis von Vereinbarkeit ist.

Während der re:publica habe ich mit Gerrit vom Papalapapp Podcast besprochen. Er erzählt in diesem Podcast von seinem Leben als Vater, interviewt aber auch Väter, die sich im Netz bewegen.  Wir sprechen über Vereinbarkeit, unser Modell und warum ich glaube, dass Elternzeit für Väter vor allem Sinn macht, wenn man eine Weile mit Kind(ern) allein ist!

Interview

Sandra von Wortkonfetti.de hat mich vor einer Weile gefragt, ob ich Ihr ein Interview zum gleichen Thema geben würde. Ich finde die Fragen sehr spannend und habe dort wahrscheinlich fast mehr zum Thema geschrieben als auf dem Blog hier 🙂

Dort findet Ihr auch weitere Interviews zum Thema, immer mit spannenden Fragen und interessanten Menschen – also die anderen, nicht ich. Der Titel der Reihe ist übrigens „Work is not a Kinderspiel“, was auch der Name des fantastischen Podcasts von Sandra (und Katarina) ist.

Viel Spaß beim Lesen oder Hören! Habt ihr Fragen, wollt ihr mich einladen oder vielleicht einfach was loswerden? Kommentiert hier, schreibt mir auf Facebook oder Instagram, twittert mich an oder ruft einfach, wenn ihr mich auf der Straße seht.

Passt auf euch auf,

Euer Falk

Working Dads #2 – Holger aus Berlin

Heute gibt es Teil 2 in der Reihe „Working Dads – Väter und Vereinbarkeit“: Holger lebt in Berlin und hat einen Sohn. Er arbeitet in Schichten und versucht das beste aus der Situation, auch wenn er nicht zufrieden ist. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug, auf die Suche nach einem neuen Job zu gehen – aber Holger hat eine klare Vorstellung davon, was er will: für seinen Sohn da sein! Continue reading „Working Dads #2 – Holger aus Berlin“

Working Dads – Väter und Vereinbarkeit

Vor einigen Wochen habe ich einen Aufruf gestartet. Es sollte um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehen, was das für Euch als Väter bedeutet und was sich aus Eurer Sicht ändern sollte. Ich suchte explizit auch Väter aus Berufen, die nicht im Büro stattfinden oder aus dem Home Office ausgeübt werden können.

Und die Väter haben sich gemeldet. Ich habe fast 150 Rückmeldungen von Euch bekommen, Fragebögen verschickt und dann ein bisschen gewartet. Am Ende sind 29 ausgefüllte Fragebögen zurückgekommen. Alle diese Väter und ihre gelebten Modelle möchte ich Euch in den nächsten Wochen vorstellen, manche anonym, manche mit Bild.

Heute nun, am Vatertag, soll die Reihe „Working Dads – Väter und Vereinbarkeit“ starten. Den Anfang macht ein Vater aus Österreich, der nicht nur zwei Kinder, sondern auch zwei Jobs hat.

Mit meiner Umfrage lässt sich sicher kein repräsentatives Bild zeichnen, aber es reicht um zu verstehen:

  1. Auch Väter, die „Alleinverdiener“ sind, machen sich durchaus Gedanken, wie Sie mehr Zeit mit der Familie verbringen könnten.
  2. Die meisten Väter sehen Ihre Situation als gegeben an und sehen wenig Chancen, etwas zu ändern.
  3. Eine Änderung der Erwerbs- und Betreuungssituation würde für fast alle  finanzielle Einbußen bedeuten.

Falls ihr Euch von den Papa-Interviews angesprochen fühlt und Eure Ideen und Modelle teilen wollt, meldet Euch einfach weiterhin unter papamachtsachen@gmail.com. Ärgert Ihr Euch, dass ihr den Fragebogen noch zuhause liegen habt und nicht ausgefüllt habt? – Dann legt los, es gibt keine Deadline.

Viel Spaß und einen schönen Vatertag!

Euer Falk

Alle Episoden findet ihr hier:

 

Väter und Vereinbarkeit – wie sieht die Realität in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus?

Hallo Papas!

Für eine neue Reihe auf dem Blog suche ich Väter, die bereit sind, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Es geht um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was das für Euch bedeutet und was sich aus Eurer Sicht ändern sollte.

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Paragraf 218, Paragraf 219a und 5 Millionen Euro für Jens Spahn

Es ist 2019. Frauen wird weiterhin nicht zugestanden, über Ihren Körper selbst zu entscheiden. Normalerweise liest man von mir selten etwas über Themen, über die Frauen aus vielen Gründen besser sprechen können, aber dieses Mal will ich nicht leise sein. Es geht um das ganze Konglomerat aus den Paragrafen 218, 219a des Strafgesetzbuches, Jens Spahn und seine absurde 5 Mio-Euro-Studie.

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